Full text : Feierabend-Stunden

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gehörig, zugewiesen war. Auf dem Sopha saßen zwei junge
Mädchen und vor diesen in einem Fauteuil die Hausfrau,
welche in einem lebhaften, auf die freundlichste Weise geführten
Gespräch begriffen waren. Das eine der beiden Mäöchen
war Maria, welche kurz vorher der Gegenstand des Zwie—
gesprächs zwischen dem Inspector und seiner Gattin gewesen, eine
schöne Blondine von etwa achtzehn Jahren, deren helle blauen
Augen so freundlich in die Welt blickten, als hätte in dem
Herzen der Besitzerin noch nie ein Kummer oder ein Schmerz
seine Wohnstätte aufgeschlagen; Heiterkeit und Lebenslust
umwehten die ganze Mädchengestalt und wenn ihre freund—
liche Stimme erklang und ihr herzliches Lächeln die mit ihr
Sprechenden traf, dann schien es, als trete die Frühlings—
sonne erwärmend und belebend plötzlich aus dem Wolken—
schleier hervor, der für Minuten ihren Strahl verhüllt hatte.
Kein, Wunder, daß Maria, die Schwestertochter der Frau
Siegfried, dem kinderlosen Ehepaar seit ihrem Aufenthalt auf
*so lieb und werth, ja fast unentbehrlich geworden ist.
Das andere ihr zur Seite sitzende junge Mädchen war in
Trauer gekleidet; in ihr erkennen wir sofort eine liebe Be—
kannte, Dorothea, die Tochter des Polizeiraths, wieder. Auch
sie war mit Siegfrieds nahe verwandt: der alte Gefängniß—
Inspector war ein Stiefbruder ihres verstorbenen Vaters.
Als Maria für einige Augenblicke sich entschuldigt und
das Zimmer verlassen hatte, setzte sich Frau Siegfried an
deren Stelle auf das Sopha und Dora's Hand erfassend,
und dem Mädchen liebevoll in das Antlitz schauend, sprach sie:
„Dora, ich habe wohl nicht nöthig, Dir zu sagen, wie
angenehm es mir und Deinem Onkel ist, daß Du endlich
einmal hierher zu uns gekommen bist und wie sehr wir uns
freuen würden, wenn Dein Aufenthalt hier von recht langer
Dauer sei. Wenn Du also keine andere dringende Abhal—
tungen hast, unserm Wunsche zu entsprechen, so betrachte
vorläufig ** als Dein Heim. Es wird ohnedies noch
längere Zeit dauern, bis mein Mann den Nachlaß Deines
seligen Vaters geordnet hat, wozu ja auch Deine Anwesen—
heit an Ort und Stelle zuweilen erforderlich sein wird.“
            
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