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Der Oberschließer und zwei Mann kamen jetzt, die
Schlüssel zu den Gefängnißzellen abzuholen; es war die Zeit,
wo die politischen Gefangenen eine Stunde in dem großen
Hofraum sich ergehen durften. Die peinlichsten Vorsichts⸗
maßregeln waren getroffen, obgleich auch ohne diese an ein
Entweichen gar nicht zu denken gewesen wäre. Jedem der
Inhaftirten folgte der Aufpasser auf dem Fuß; kein Wort
durften sie mit einander austauschen und ihre Fragen an
die Wächter blieben unbeantwortet und jeder ihrer Schritte
wurde von Siegfried vom Fenster aus mit Argusaugen
bewacht. Siegfried haßte diese politischen Verbrecher von
ganzem Herzen, weniger ihrer staatsgefährlichen Grundsätze
und Handlungen wegen als wegen der strengen Befehle und
Instructionen, die ihm ihretwegen von oben herab zu Theil
geworden waren und durch deren Ausführung die langjährige
Ruhe aufs Empfindlichste gestört worden war, welcher er
sich bisher als Herr und Meister auf seiner Sinecure zu
erfreuen hatte.
Es waren neun junge Männer und ein Greis mit silber—
grauem Haupt- und Barthaar, welche seit drei Monaten auf
** inhaftirt waren, ohne seit dieser langen Zeit vor den
Richter gestellt worden zu sein und die heute auch wieder
wie so oftmals schon ihren traurigen Gang durch den Hof—
raum ihrer Kerker machten. In dem Einen der jüngeren
Männer erkennen wir sofort Friedrich Bartholdy wieder.
Nichts hatte sich an ihm geändert; stolz und ungebeugt
schritt er vor seinem Waͤchter einher, nur in seinem bleichen
Antlitz waren die Spuren des Kerkers und der Gefangen—
schaft zu lesen.
Wenden wir uns für kurze Zeit ab von dem traurigen
Bild kleinstaatlicher Justizübung; überlassen wir Siegfried,
die Gefangenen und ihre Wächter ihren eigenen Gedanken
und Wünschen und begeben wir uns in das freundliche, soge—
nannte Staatszimmer der Frau Siegfried, dessen Fenster
nach einem herrlichen, parkartig angelegten Schloßgarten
gingen, wovon ein Theil dem Herrn Commandanten und
der andere dem Herrn Inspector als zur Dienstwohnung