Full text : Feierabend-Stunden

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wollten, solche Lumpen rechne ich gar nicht mit, denn — so
sagte mein Vater schon — wer das Feuer einer anvertrauten
Kasse nicht vertragen kann, soll sich an ihm die Hände nicht
wärmen!“
Frau Siegfried lächelte vor sich hin und meinte, solche
Reden von ihrem Gemahl noch nie gehört zu haben; ihre
Augen freundlich auf den Alten gerichtet, sagte sie:
„Wenn ich nicht wüßte, daß Du die politischen Unter—
suchungsgefangenen wie das Fieber meidest, so könnte ich
bald versucht werden, zu glauben, auch mein guter Siegfried
sei von ihren Anschauungen beleckt worden .. .“
„Da sei Gott für“, entgegnete Siegfried ernst; „aber
gerade diese Umstürzler sind es, die mir viel Sorge machen
und um ihretwegen hätte ich gewünscht, Maria wäre noch
hier geblieben: das Mädchen war ein Auge, das mir seheun
und ein Ohr, das mir hören half. Ich konnte mich in jeder
Hinsicht auf die Hexe verlassen. Und was hatten die
Schließer vor ihr einen Respect; ein Wort von ihr galt
ihnen so viel, als hätte ich selbst es gesprochen! Ich und
Du, liebe Frau, wir werden beide älter und bei der jetzt so
verantwortlichen Stellung ist eine junge Kraft, die uns tragen
hilft, von großem Vortheil. Weißt Du“, fügte Siegfried
nach einiger Ueberlegung hinzu, „suche die Marie zu über—
reden, daß sie noch für eine kurze Zeit hier bei uns bleibt.
Wenn man Jemand im Hause hat, auf den man sich ver—
lassen kann, so soll es unser erstes Bestreben sein, ihn warm
zu halten. Die Demagogen werden ja nicht ewig auf *
sitzen und wenn sie von hier fort — meinethalben beim
Kukuk — sind, dann kehren auch bei uns wieder Tage des
Friedens und der gewohnten Ruhe ein. Und — wenn Gott
will — wird hoffentlich die mir angedeutete Versetzung von
hier so wie so nicht mehr lange auf sich warten lassen.“
So redete das Ehepaar noch lange hin und her und
Frau Siegfried versprach schließlich ihrem „Alteu“, bei
Maria den Versuch zu machen, sie zu bestimmen, die beab—
sichtigte Reise nach Hannover noch für einige Monate hinaus⸗
zuschieben.
            
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