Full text : Feierabend-Stunden

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schwereres Vergehen zu Schulden kommen ließen u. A. Nach
der Ansicht Siegfrieds waren dies noble Herren, die mit
allen nur möglichen Rücksichten behandelt wurden, wohin—
gegen die politischen Verbrecher, welche in den kassematten—
artigen unterirdischen Räumen ein elendes Unterkommen
fanden, von ihm mit einer Strenge und Aufmerksamkeit be—
handelt wurden, die in jeder Hinsicht geeignet sein mußte,
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gewinnen. Siegfried war ein Gefängniß-Aufseher, wie er
nicht besser sein konnte und daher auch die rechte Hand des
Herrn Commandanten von Drach, eines ehemaligen Haupt—
manns, der wegen eines verdorbenen Parademarsches seiner
Compagnie vor dem Fürsten hierher versetzt worden, und
der mit dieser Strafversetzung, wie es schien, auch ganz zu—
frieden war. Familie hatte der Mann nicht und im Uebrigen
waren seine Ansprüche an das Leben sehr bescheiden. Jagd
und Jagdgenossen hatte der Herr Baron genug in der Um—
gegend und auch dem Bacchus konnte er hier ungenirter
Opfer bringen, wie als Offizier in irgend einer Garnison.
Sein Dienst ruhte vollständig auf den Schultern Siegfrieds
und so kam es, daß dieser auch bei den übrigen Insassen
des Schlosses mehr galt als der Herr Commandant selbst
und die zwölf Invaliden, welche der sogen. Festung zur
Bewachung dienen sollten, standen so zu sagen unter seinem
unmittelbaren Befehl. Außer Dienst war Siegfried übrigens
ein ganz harmloser Mensch; in allen anderen als dienst—
lichen Sachen befahl seine Frau und vor ihr hatte er mehr
Respect, als vor seinem Vorgesetzten. Das hatte seinen
Grund darin, weil Frau Siegfried ihrem Gatten bedeutend
an Bildung und Einsicht überlegen war und sie es meister—
lich verstand, den alten „Brummbär“ am Strick zu führen,
ohne daß er von der Fessel eine Ahnung hatte.
„Was nur der Maria eingefallen sein mag“, hub er
nachdenklich zu seiner Frau gewandt an, „uns so plötzlich
zu verlassen? Hast Du etwas mit dem Mädchen gehabt?“
„Nicht das Geringste“, entgegnete Frau Siegfried; „Du
weißt ja, daß das Kind schon seit längerer Zeit den Wunsch
            
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