Full text : Feierabend-Stunden

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als ich ihm unwillkürlich die Hand reichte, fühlte auch ich
eine Thräne ins Auge treten. Das Thema der Liebe
war zu Ende und nur wenige Worte wurden noch zwischen
uns gewechselt, bis wir hierher kamen.
„Es schinerzt mich aufrichtig, daß es so und nicht anders
gekommen ist“, entgegnete der Polizeirath; „aber der Wille
des himmlischen Vaters geschehe, der am besten weiß, was
den Menschen frommt!“
Auf diese Weise war die Brautwerbung aus dem Wege
geschafft. Des Gerichtsraths Besuche bei von Müldners
wurden seltener und hörten schließlich ganz auf, als er sich
mit der Tochter seines Chefs verlobt und sich hierdurch für
das erhaltene Körbchen entschädigt hatte.
Wie gefürchtet, nahm die Krankheit des Polizeiraths
einen immer mehr bedenklicheren Verlauf und als im Novem—
ber das welke Laub über die Fluren dahinrauschte und am
Allerseelentage der Wind mit den welken Kränzen des Fried—
hofs spielte, da sahen wir auch Dorothea und die alte Else
mit einem Blumenkranze an das noch frische Grab des
Polizeiraths von Mülduer treten, der hier endlich die Ruhe
gefunden hatte, welche ihm während der langen Zeit im
Dienste der fürstlichen Polizei so wenig zu Dheil geworden war.

VII.
Der invalide Lieutenant Siegfried, Inspector auf dem
befestigten Schlosse **, das damals zum Gefängniß der
sogen. Staatsverbrecher diente, saß mit seiner Frau in dem
gemüthlich eingerichteten Wohnzimmer seiner Dienstwohnung,
die sich im unteren Stockwerk eines großen finsteren Gebäu—
des befand, dem sogenannten „Schwarzen Thurm“, in dessen
kellerartigen Gewölben die schweren politischen Verbrecher und
in den oberen Räumen die zur Festungsstrafe Verurtheilten
anderer Kategorie ihre Strafe abzubüßen hatten. Zu letzterer
Sorte gehörten Offiziere, die wegen Ehrenhändel oder Sub—
ordinations-Vergehen mit dem Militär-Strafgesetze in Con—
flict kamen; Beamte, welche sich im Dienste irgend ein
            
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