Full text : Feierabend-Stunden

Krankheit für unbedenklich — doch, daß der sonst so rastlose
Mann jetzt ganze halbe Tage lang ermattet auf dem Sopha
oder Lehnsessel zubrachte, das sagte nur zu deutlich, daß sein
Körper einer Krisis entgegenging.
Unter den Personen, welche den Rath des öftern be—
suchten, war der Gerichtsrath Forster der aufmerksamste; er
sprach fast täglich bei dem Kranken vor und sein längeres
Verweilen in dessen Wohnung hätte man wohl dem Umstand
zuschreiben können, daß der Polizeirath ein ganz vorzüglicher
Gesellschafter und in allen Dingen tiefeingeweihter Mann
war. Geist, Witz und Erfahrung standen ihm unter allen
Umständen zur Seite. Nehmen wir noch hinzu, daß seine
schöne und anmuthsvolle Tochter nicht weniger dazu beitrug,
die Besucher in dem kleinen Kreis zu fesseln, der sich nach
und nach um den Polizeirath gebildet hatte, so ist es nicht
zu verwundern, daß auch Herr Forster sich sehr bald in dem—
selben recht heimisch fühlte. Wir haben denselben schon
früher vorübergehend kennen gelernt, als er in seiner da—
maligen Eigenschaft als Criminalgerichts-Assessor im Hause
Bartholdy's anwesend war.
Eines Tages, wo Dorothea von zu Hause länger als
gewöhnlich abwesend war, hatte sich Herr Forster wieder bei
dem Polizeirath eingefunden und lange in der vertraulichsten
Weise mit demselben verkehrt. Das, was die beiden Männer
zasammen besprachen, mußte wohl nicht unangenehmer Natur
gewesen sein, denn als Dorothea zurückkam, fand sie den
Vater, von dem vorher Herr Forster sich auf das herzlichste
verabschiedet hatte, in der rosigsten Stimmung.
„Wo bist Du nur so lange geblieben, Kind?“ frug er
freundlich, „ich hätte viel darum gegeben, wenn Du hier,
gerade heute zu Hause gewesen wärest ..“
„Weßhalb denn das, mein lieber Vater?“ entgegnete die
Jungfrau neugierig, „was hat denn meine Gegenwart gerade
heute hier so wünschenswerth gemacht? Es geschah sicher gegen
meinen Willen, daß ich heute eine halbe Stunde länger fort—
geblieben bin und es sollte mir herzlich Leid thun, wenn Du
            
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