Full text : Feierabend-Stunden

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die umflorten Augen zu ihm auf. Der junge Mann bog
sich zu dem auch noch in ihrem unsäglichen Schmerze schönen
Mädchen nieder und bat: „Thea, kommen Sie zu sich, ich
— ich bringe Ihnen ja Trost und frohe Kunde! Glauben
Sie nicht, was die Leute allgemein behaupten! Ihr Vater
lebt, ist wohlbehalten und läßt Sie grüßen; mir selbst hat
er den Gruß aufgetragen.“
Wie Zauber wirkten diese Worte. Als wolle sie einen
schweren, schrecklichen Traum verscheuchen, so fuhr die weiße
zilternde Hand der Jungfrau über Stirne und Augen und
leise frug sie: „War es nur ein Traum, der mich ängstigte?
Sprechen Sie, Friedrich; ist mein Vater wirklich todt oder
lebt er noch?“
„Danken wir Gott“, entgegnete der junge Mann, „Ihr
Vater lebt und kein Haar ist ihm gekrümmt worden!“
„Sie sagen es, Friedrich, d dann muß es auch Wahr—
heit sein.“ „O Gott, allgütiger Gott! wie danke ich dir!“
Thräne um Thräne entrollten den Augen der beiden Frauen,
waͤhrend Fritz nochmals kurz über die Gefahr und die
Reitung des Polizeiraths berichtete. Immer gespannter
horchte die Jungfrau auf die Worte des Erzählers, und als
Friedrich endlich schwieg, da frugen die beiden Frauen wie
aus einem Munde:
„Aber wer waren die Edlen, die das kühne Werk der
Rettung vollbrachten?“
„Das war in erster Reihe der treue Königsberger, der
mich von der Gefahr benachrichtigte, in welcher Dein Vater
schwebte, sowie zwei entschlossene Nachbarn von uns, welche
jedoch nicht genannt sein wollen, und ich“, fügte Friedrich
bescheiden und leise hinzu.
Da reichte ihm Dora dankend die Hände, er aber drückte
das schöne Mädchen an sein laut pochendes Herz und lange
hielten sich Beide fest und innig umschlungen. — — Zwei
Herzen, die schon lange für einander schlugen, hatten sich
in den Stunden höchsten Schmerzes gefunden und schweigend
breitete der Genius der Liebe und Treue seine himmlischen
Schwingen über ein liebendes Paar.
            
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