Full text : Feierabend-Stunden

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ermahnt, für jetzt auf weitere Racheacte zu verzichten, begab
auch er sich mit seinen Begleitern über die nahe Laufbruͤcke
nach der Altstadt zu, woselbst sofort aus einem Winkel eine
bespannte Chaise vorfuhr. Einer der Begleiter Bartholdy's,
in die Uniform der Bürgergardisten gehüllt, bestieg, an allen
Gliedern zitternd, das Fuhrwerk. Friedrich reichte ihm noch
einen kleinen Koffer und als der Mann in dem Fond des
Wagens saß, reichte er dem jungen Manne die Hand und
sprach gerührt: „Haben Sie Dank, Friedrich; Sie sind ein
braver und edler Mann. Ich werde es nie vergessen, daß
Sie und Ihre Freunde hier mir vielleicht das Leben gerettet
haben! Grüßen Sie mein Kind und schützen Sie es; ich
hoffe, bald wieder kommen zu können mit meiner Entlassung
in der Hand. Leben Sie wohl, meine Herren! Auf Wieder—
sehen!“ Der Wagen mit dem geretteten Polizeirath rollte
über die Kinzigbruͤcke in die dunkle Nacht hinein.
Unterdessen war der Pöbelhaufen des festen Glaubens,
der Polizeirath sei als Opfer gefallen und mit Blitzes
Schnelligkeit verbreitete sich die Nachricht von seinem Tode
in der Stadt. Auch in das Haus der Wittwe Bartholdy
drang die Kunde und Dorothea hörte das Gräßliche von
Vorubergehenden, die sich laut über den Akt der geübten
Volksjustiz unterhielten. Ohnmächtig sank die Jungfrau in
die Arme ihrer mütterlichen Freundin, welche kaum mehr
im Stande war, sich selbst aufrecht zu erhalten. Ein schnell
herbeigerufener Arzt und theilnehmende Nachbarinnen waren
eben bemüht, die Ohnmächtige ins Leben zurückzurufen, als
Friedrich in das Zimmer eintrat. Ein Blick auf die Gruppe
genügte, ihm klar zu machen, was vorgefallen. Er erzählte
den Anwesenden kurz die Ereignisse an der alten Münze,
die Gefahr, in welcher der Polizeirath geschwebt, und die
Art und Weise, wie er aus derselben befreit worden sei.
Alle horchten gespannt und als es endlich gelungen
war, Dorothea wieder ins Leben zurückzurufen, entfernten
sie sich mit erleichterten Herzen, die vielgeprüfte Familie
allein ihren Gefühlen überlassend.
Als Dorothea die Stimme Friedrichs vernahm, schlug sie
            
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