Full text : Feierabend-Stunden

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zu Zeit über die Straßen, und auch das sonst so oft gehörte
Pfeifen und Summen der deutschen Marsailleise und anderer
Lieder dieser Zeit waren verstummt. Da es bei peinlichen
Strafen untersagt gewesen, die genannten Lieder zu singen,
so hatten sich die widerspenstigen Bewohner daran gewöhnt,
diese und alle sonstigen hoch- und landesverrätherischen
Melodien zu pfeifen und zu summen zum Aerger der Polizei
und anderer Diener der Gerechtigkeit. In der That, es
schien, als hätte sich am Mittag das politische Gewitter voll—
ständig entladen und als sei die Ruhe, des Bürgers erste
Pflicht, endlich wieder in alle Gemüther eingekehrt. Dem
war aber leider nicht so; es war auch diesmal nur die Ruhe,
die dem Orkan voranzugehen pflegt.
Gegen elf Uhr erscholl von der „Fischergasse“ dumpfes
Getöse und eine Anzahl von circa fünfzig Gesellen, wit Aexten,
Beilen, Pistolen und anderen Instrumenlen bewaffnet bewegten
sich unter dem Ausstoßen der gräßlichsten Verwünschungen
nach dem Frankfurter Thore hin, an ihrer Spitze drei sag.
„Mainhinkel“ (Arbeiter am Hafen) mit je einem neuen
Strick in der Hand. Immer größer wurde der Zug und
es schien, als stiegen die Rachegeister aus der Erde, ihn zu
vermehren. „Nieder mit den Tyrannen!“ „Nieder mit den
Volksfeinden!“ „Es lebe die Freiheit!“ das Alles erklang
wild durcheinander und ehe der wilde Haufen das Frank⸗
furter Thor erreichte, war er auf einige Taͤusend angewachsen.
Kein Diener der öffentlichen Ordnung wagte es, dem rohen
und berauschten Pöbelhaufen entgegen zu treten. An dem
Thore, der Wohnung des Polizeiraches wurde Halt gemacht.
Unter fürchterlichem Geheul flogen einige Steine in die
Fenster, um den Bewohnern anzudeuten, wem der nächtliche
Besuch gelte. „Nieder mit dem Polizeirath!“ „Nieder mit
dem Spion!“ erklang es immer drohender und lauter und
als einer von den Mainhinkeln, der einen Strick hoch empor
hob und eben mit noch einigen Mordgenossen im Begriff
war, in die Biegung der steinernen Wendeltreppe zu treten,
um in die Wohnung des Polizeirathes gewaltsam einzu—
dringen, da trat ihnen Friedrich Bariholdy in Begleitung
—
            
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