Full text : Feierabend-Stunden

33

die Gefangenen behutsamer in ihre Mitte. Die beiden
Tamboure wirbelten und mit lauter Stimme verkündete der
Offizier, daß er sofort scharfen Gebrauch von den Waffen
machen werde, wenn das Volk ihn ferner hindere, den ihm
gewordenen Befehl auszuführen. Für einen Augenblick
wurde die Menge stutzig und die Truppen setzten ihren
Marsch fort. Sobald sie jedoch von dem freien Platze in
die engen Straßen einlenkten, wurde ihr Weg immer schwie—
riger, denn aus allen Richtungen strömten ihnen Hunderte
von aufgeregten und wild aufschreienden Menschen entgegen.
Die armen Soldaten kamen immer mehr und mehr ins
Gedränge; mehrere bluteten schon und als einer, von einem
schweren Steine auf den Hinterkopf getroffen, lautlos zu—
sammenstürzte, brach der Poͤbel in kanibalisches Siegesgeheul
aus. Dies war in der Nürnberger Straße. Noch einmal
kommandirte der Offizier Halt! noch einmal wirbelten die
Trommeln und als auf einen weiteren Befehl die Truppen
anschlugen, da wollten die Zunächststehenden zurück. Es war
jedoch zu spät; von den Zuströmenden unaufhaltsam vor—
wärtsgeschoben, standen sie fast dicht vor den Mundungen
der Gewehre. Noch immer zögerte der Offizier den ver—
hängnißvollen Befehl „Feuer!“ auszusprechen. Dies edel—
müthige Zögern wurde von der empoͤrten Menge falsch aus—
gelegt; als aber der Steinhagel stets dichter fiel und Prügel
und andere Schlagwerkzenge sich gegen die Soldaten erhoben,
da krachte die Salve uund heulend und tobend floh Alles
was fliehen konnte. Es war ein furchtbarer Augenblick.
Trotzdem die Kugeln hoch über den Köpfen der Rebellen
hinwegpfiffen, so war es dennoch ein Wunder, daß nicht
mehr als drei Verwundungen vorkamen. Dies aber war es,
was die Angreifer noch mehr erhitzte. Als von dem Ort
des Kampfes sich Viele eiligst geflüchtet, namentlich Weiber
und Kinder von demselben verschwunden waren, da nahm
der Kampf eine ernstere Gestalt an. Aufs neue drangen
die Angreifer auf die Soldaten ein; noch einmal krachte die
Salve; wiederum wurden Mehrere,, verwundet, aber nur
kühner gingen die Emphrer vor und als schließlich auch
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.