Full text : Feierabend-Stunden

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Linken, vollendeten das damals gebräuchliche Costüm der
Träger. Dicht hinter dem Sarge folgten die Verwandten
des Verstorbenen und diesen schloß sich ein zu vielen Hun—
derten zählender Leichenconduct an. Ernst und schweigend
bewegte sich der Zug dem Frankfurter Thore zu und finster
und schweigend stand die Menge am Wege. Die Wohnung
des Polizeiraths, welche sich, wie schon erzählt, in dem
Frankfurter⸗Thor-Gebäude befand, war durch die Fensterladen
dicht verschlossen und dennoch erhoben sich gar viele drohende
Blicke zu derselben hinauf, ehe der Zug in die Wölbung des
Thorbogens einlenkte.
Die Ceremonie der Bestattung ging ohne jede Ruhe—
störung vorüber; kein Polizeioffiziant hatte sich dabei blicken
lassen. Von der Rede, welche von dem relegirten Studenten
gehalten worden, hatten nur die näher Stehenden etwas ver—
standen, trotzdem sie mit einem Feuer vorgetragen wurde,
das besser auf einer Barrikade, als an einem Grabe am
richtigen Orte gewesen wäre. Das Einzige, was das Grab
Bartholdy's vor allen anderen vorhergegangenen Begräb—
nissen auszeichnete, war ein wahrer Berg von Blumen und
Kränzen, der bald sich auf demselben erhob. Eine halbe
Stunde nach dem Amen des bei dem Begräbniß fungirenden
Geistlichen war es auf dem Friedhofe so stille und feierlich,
wie in einem geschlossenen Tempel Gottes; die Vögel, die
in dem Strauchwerk ihre Nester aufgebaut hatten, flogen
zutraulich von Zweig zu Zweig, von Monument zu Monu—
ment, und durch Cypressen und welke Todtenkränze rauschte
der Hauch Gottes, der uns so ernst mahnt, daß wir nur
flüchtige Wanderer sind auf dieser Erde.
Ein scharfer Gegensatz gegenüber dieser Ruhe war das
Wogen und Treiben, welches nach dem Begräbniß sich an
allen Ecken und Enden der Alt- und Neustadt bemerk—
bar machte. Alle Wirthslocale waren dicht mit lärmenden
Menschen angefüllt und in den Gärten wimmelte es von ab—
und zugehenden Gästen, aber nur die Wenigsten hatten sich,
wie dies sonst wohl Brauch, fest an ihren Stammtischen
niedergelassen. Ein Gerücht, daß die politischen Gefangenen
            
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