Full text : Feierabend-Stunden

380

4. August 1870.
Kaum stieg empor der erste Strahl im Osten,
Da fand der Feind sich auch schon wieder ein,
Zu kaufen Tabak, Milch und Brod und Wein
Und sonst'ge Dinge auf der Bürger Kosten.

Verstärkt sind heute der Franzosen Posten
Rings auf den Höh'n und Alles trägt den Schein,
Als müßte etwas in dem Anzug sein —
Denn selbst nach Bürgern schießen die Erbosten!

Lebhaftes Feuern! Deutsche Plänkler kamen
In Zwischenräumen bis zur Brück und nahmen
Genaue Einficht, wie die Sach' hier stand;
Und wenn der Feind dann einen nur erblickte,
Er ihm entgegen tausend Kugeln schickte
Bis wieder er in St. Johann verschwand.

Indessen wimmelt es von rothen Hosen
In allen Gassen; an den Brunnen standen
Die Einen waschend, And're ein sich fanden
Um mit den schönen Mädchen dort zu kosen.

Doch „kurz und selten blüh'n dem Krieger Rosen!“
Die Wahrheit dieses Sprüchworts, des bekannten,
Ersahren heute hier auch die galanten
So wie die ungalanten Herrn Franzosen.

Denn wer beschreibt der Ahnungslosen Schrecken
Als plötzlich wie der Blitz um „Schultze Ecken“
Kam angesprengt ein muthiger Husar,
Der einen Schuß rasch nach dem Brunnen sendet,
Dann im Galopp sich nach dem Schloßplatz wendet,
Der angefüllt mit rothen Hosen war!
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.