Full text : Feierabend-Stunden

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20. Juli 1870.
Der erste der Gefangenen ward heute
Durch einen Vierziger hier eingebracht;
Der bleiche Mann in seiner bunten Tracht
Empfand ob seinem Loos ganz sichtbar Freude!

Er grüßte freundlich lächelnd alle Leute
Und hatte sich's wahrscheinlich ausgedacht:
Daß fern vom Schuß und treu vom Feind bewacht
Doch besser sei noch als des Todes Beute.

Denn kurz zuvor, Herr Vetter, ist's gewesen
Wo Kraus, ein Füsilier, war auserlesen,
Den ersten Franzmann in das Gras zu strecken
So nah'ten nach und nach des Krieges Schrecken,
Dazu mußt' Mancher schon in diesen Tagen
Am Hungertuche mit den Seinen nagen.

So ging es fort bis zu des Juli Ende,
Und als man zählte zwanzig Tag und acht,
Des Nachmittags, da ward es plötzlich Nacht
Und Blitze flammten an dem Firmamente.

Horch! welch' ein Schlag! War das Jupiters Spende?
„Ach! nein, es war Geschütz, das so gekracht
Wahrscheinlich rückt heran der Feind mit Macht!
„O, daß ein Gott bald unser Schicksal wende!“

Zum Vorstoß trug der Feind doch kein Verlangen,
Verschanzt lag sicher er auf Spichern's Höh'n,
Von wo herab das Heldenwerk gescheh'n,
Den Kampf mit den Geschützen anzufangen
Und „Belle vne“ zu bewerfen mit Granaten,
Das war die zweite seiner großen Thaten!
            
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