Full text : Feierabend-Stunden

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Schwester Colestine sich in französischer Sprache auszu—
drücken pflegte; ebenso bedauerte Dr. Lefebre den Verlust
iner Dame, die ihm zu jeder Stunde die aufopferndste und
umsichtigste Stütze in seinem mühevollen Berufe gewesen sei.
Der Oberst kam zurück und überreichte der Scheidenden
ein in Sammet gefertigtes Etui. „Gestatten Sie mir, Ihnen,
heuerste Cölestine, dies kleine Andenken an mich und Ihren
—— — das Liebste,
was mir augenblicklich zu Gebote steht — das Bildniß
meiner unvergeßlichen Gattin!“
Schüchtern nahm Cöolestine die Gabe entgegen und öff⸗
nete das Elui. Lange ruhte ihr Blick auf den Zügen des
Portraits, das sie in der zitternden Hand hielt; Alles um
sie her schien sie vergessen zu haben; ganz in das Anschauen
des Bildes vertieft, sprach sie wie zu sich selbst: „Ist es
mir doch, als hätte ich dies Bild schon einmal im Leben
Jesehen!“ Ja, ich kann mich nicht täuschen aber wann
dnd' wo? Ich weiß es nicht!“ Madame du Hallin beugte
fsich jetzt neugierig zu ihr hinüber und einen Blick auf das
Porirait werfend, rief sie mit der ihr eigenen Lebhaftigkeit:
Ah! wie schön und welche Aehnlichkeit mit Ihnen, mein
Fraulein!“ Auch Dr. Lefebre betrachtete jetzt das Brustbild
und bestätigte das eben Gehörte.
Der Oberst, der keinen Blick von der Gruppe abwandte,
die sich um das Bild und Cölestine gebildet hatte, sagte jetzt
gleichfalls, daß er vom ersten Augenblicke an, wo Cölestine
in seinem Schmerzenslager erschienen sei, eine gewisse Aehn—
lichkeit mit seiner unvergeßlichen Gattin erkannt und daß
dies ihn auch so mächtig zu Cblestine hingezogen habe. „Ja“,
ichloß er seine Rede, „in ihrer Jugend glich Melanie de
Reuville auf ein Haar dem Schutzgeist, der mich zu ver⸗
lassen im Begriff steht!“
Melanie de Neubille“, auch dieser Name klingt mir, als
hätte ich ihn schon gehört — mein Gott! stehe ich vielleicht
Lor der Sösung des Räthsels, in welches meine früheste
Kindheit gehüllt ist? dachte Schwester Cölestine und dann
sprach sie zu dem Oberst gewandt:
            
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