Full text : Feierabend-Stunden

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Schwester Cölestine —, dieser Name hatte sich von ihrer
Vorgängerin auch auf sie vererbt —,. war ein Gegenstand
hoher Achtung und Verehrung bei deutschen und französischen
Soldaten, welche in dem Lazareth Aufnahme gefunden hatten.
Ohne irgend eine Pflicht zu versäumen, schenkte Cölestine
dem schwererkrankten französischen Stabsoffizier eine ganz
besondere Aufmerksamkeit und Sorgfalt. Wie der Arzt ver—
muthet, war eine Krisis eingetreten und die schlimmste Ge—
fahr beseitigt, und als nach Verlauf mehrerer Tage der Arzt
aufs Bestimmteste erklärte, daß, wenn kein besonderer Zwischen⸗
fall eintreten würde, die vollständige und baldige Wieder⸗
herstellung des Kranken zu erhoffen sei, da verklärte ein
Lächeln der Freude das Antlitz der Schwester und mit
warmer Theilnahme trat sie an das Lager des Patienten,
ihm den Aussprüch des Doctors mitzutheilen und ihm Glück
zu wünschen.
Wenn es Gottes Wille ist“, — sprach der Kranke tief
bewegt — „daß ich noch einmal in ein Dasein zurücktreten
soll, welches mir oft wie eine unerträgliche Last erschienen
ist, so verdanke ich dies nur Ihnen, meine gute Cölestine,
Ihnen, deren Sorgfalt und Umsicht mir so reichlich zu Theil
geworden ist, obgleich ich nicht zu Ihrer Nation gehöre.“
„Wir, Herr Oberst“, entgegnete Cölestine, „die wir
berufen sind, die Wunden so viel als möglich zu heilen,
welche ein unglückseliger Krieg geschlagen, wir kennen keine
Raubnalität am Kraänkenlager, sondern nur die heiligen
pflichten der Menschenliebe, welche die Grundlage bilden der
Lehre unseres Herrn und Heilandes.“
„Ja, ja! ich erkenne das“, entgegnete der Oberst, „und
wenn Jemand den Namen Cölestine, die „Himmlische“ ver⸗
dient, so sind Sie es, mein geliebtes Kind!“ Mit einem
Blicke inniger Dankbarkeit reichte er seiner Pflegerin die
Hand.
Dies ereignete sich am Schluß des Dezember 1870.
Mit der völligen Wiederherstellung des Obersten ging es
nicht so rasch, als anfänglich vermuthet wurde und sein Zu—
staud erforderte die großte Schonung. Obwohl er in der
            
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