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weit von den Betten. Stille herrschte in dem Kranken—
zimmer, in welches das Tageslicht, durch Vorhänge gedämpft,
nuur halb einzudringen vermochte. Die Schwester las oder
blätterte vielmehr in einem Buche, denn ihre Gedanken waren
sicher nicht bei dem, was in dem Buche stand. Eine geraume
Zeit verging. Jetzt regte sich der Kranke. Er schlug die
Augen auf und flüsterte einige Worte. Die Schwester erhob
sich und trat näher. Kaum war dies geschehen, da fing der
Kranke wieder an zu sprechen, anfangs kaum vernehmbar,
aber immer deutlicher. „Was wollt Ihr? — was wollt
Ihr? Geht, laßt mich sterben. Weg, Diebe, Mörder! Hah!
das war gut getroffen ... brav, brav ...! Ich muß
leben — weiter leben .. .!Komm noch nicht zu dir ....
meine arme, arme Melanie. Ich hab dich gesehen von dem
Strand! Immer größer werden die Wellenringe über des
Kindes Grab tief unten! Es streckt verlangend die Aermchen
aus .... ich muß, ich will es holen ...“ Das waren
Sätze, welche die horchende Schwester aus dem Vielen, was
der Kranke in seinen Fieberphantasien redete, deutlich ver—
stehen konnte, bis er erschöpft wieder in tiefes Schweigen
versank.
Der Arzt kam jetzt zurück und die Schwester erstattete
Bericht. Er trat pruͤfend an das Krankenbett und als er
von demselben zurückkam, sagte er:
„Die Krisis scheint sich zum Bessern zu neigen ....
Beobachten Sie Alles genau, was ich verordnet habe und
lassen Sie mich sofort benachrichtigen, wenn etwas Außer—
gewöhnliches eintritt.“ Dann empfahl er sich mit dem Ver—
sprechen, bald wieder zu kommen.
Die Schwester versprach es und hielt gewissenhaft Wort.
Wie ein Schutzengel schwebte die junge anmuthige Gestalt
von Krankenbett zu Krankenbett, tröstend und helfend. Mit
Dankbarkeit und Vertrauen sahen die Kranken ihrem Nahen
entgegen und ein ermunternder Blick, ein Wort des Trostes,
der so liebevoll und milde von ihren Lippen klang, wog bei
manchen der hartgesottenen Soldatennaturen oft mehr, als
die strengsten Befehle der Aerzte und des Inspectors.