Full text : Feierabend-Stunden

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Nachdem beiden Offizieren Nothverbände angelegt waren,
wurden sie auf Tragbahren gelegt und vorwärts ging es dem
nächsten Verbandplatz zu. Als der Zug am Weidenbaum
vorüberkam, unter welchem der deutsche Offizier zuerst Ruhe
und Schutz gesucht hatte, baumelte ein Mensch an demselben,
es war die Schlachthyäne, an welcher die Husaren schnelle
und prompte Justiz geübt hatten.

IV.

Der Sommerpalast des Banquiers du Hallin bei Dijon
war zu einem großen Lazareth umgewandelt. In den
glänzenden Räumen, wo sonst nur Personen der vornehmen
Welt sich hin und herbewegt hatten, lagen jetzt die Krieger
beider Nationen ruhig und friedlich nebeneinander. Nur
das geräuschlose Ab⸗ und Zugehen der Aerzte, Heildiener
und barmherzigen Schwestern, mitunter auch das Jammern
und Seufzen irgend eines der Opfer des Krieges, bildeten
einen schneidenden Gegensatz zu dem Leben voller Pracht
und Freude, das vorher hier geherrscht hatte.
In einem kleineren nach dem Garten gelegenen Zimmer
war ein Feldbett aufgeschlagen, auf welchem ein nach Heilung
seiner Wunden am Nervenfieber schwer erkrankter Krieger
lag. In dem Kranken erkennen wir den französischen Offizier
wieder, der von dem preußischen Offizier in jener schreck—
lichen Nacht von den Schlachtfeldräubern befreit worden war.
Ein Arzt stand nachdenklich vor dem Lager des Kranken,
während eine junge Diakonissin bemüht war, die Kissen des
Leidenden zurecht zu legen.
Der Arzt, ein Franzose, winkte der Diakonissin und
sagte leise:
„Mein Fräulein, halten Sie diesen Kranken hier immer
im Auge; die Krisis scheint zu nahen Ich muß für eine
halbe Stunde fort, werde aber bald wieder hier sein.“ Nach—
dem er noch Verschiedenes angeordnet, entfernte er sich, die
Angeredete nahm schweigend Platz auf einem Ruhesessel nicht
            
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