Full text : Feierabend-Stunden

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versetzt hättenn Kaum zwölf Schritte von seinem Ruheorte
gewahrte er zwei Gestalten, die sich augenscheinlich mit einem
Gefallenen zu schaffen machten. Eben war er im Begriffe,
ihre Hilfe anzurufen, als er die Frage vernahm: „Wer seid
Ihr? Was wollt Ihr von mir? Laßt mich ruhig sterben!“
„Daran wollen wir Euch gewiß nicht hindern“, ent—
gegnete höhnisch eine rauhe Stimme in schlechtem Französisch;
„wir wollen Euch nur den Weg ins Jenseits etwas leichter
machen!“
Diese frevelnden Worte gaben dem Verwundeten an dem
Weidenbaum seine volle Besinnung zurück. „Schlachthyänen“
murmelte er und legte behutsam seinen Degen zurecht, den
Revolver aber nahm er in die Rechte.
„Es ist ein hoher Offizier, Pierre“, hub wieder eine
Weiberstimme an, „durchsuche ihn gründlich.“ Dieser Auf—
forderung schien es nicht zu bedürfen.
„Räuber! Diebe! Abschaum der französischen Nation!
O könnte ich Euch züchtigen!“
„Euerseits hört das auf dieser Erde auf“, höhnte der
Räuber, „habt dies Handwerk lange genug hier geübt.“
Unbekümmert um das schmerzliche Stöhnen seines Opfers
durchsuchte er den Verwundeten bis aufs Hemd. Triumphirend
hielt der Räuber seiner Gefährtin eine Brieftasche und eine
zgoldene Uhr entgegen. Jetzt trat der Mond auf kurze Zeit
aus den Wolken; der Verwundete streckte wie abwehrend
seine Rechte aus, bei welcher Veranlassung ein Brillantring
dem Räuberpaar strahlend entgegenschimmerte. Der Räuber
suchte den Ring von dem Finger des Offiziers zu entfernen,
aber vergebens waren auch die rohesten Anstrengungen.
„Nimm Dein Messer, Pierre,“ ermunterte das entmenschte
Weib, „wir haben keine Zeit zu verlieren!“
Das Messer blitzte im Mondesschein, da flehte das unglück—
liche Opfer:
„Gnade! Gnade! Mein Gott! Mein Gott!“
„Was wollt Ihr mit dem Ringe“, höhnte der Räuber
aufs Neue; gib ihn mir nur her, ich kann ihn besser ver—
werthen, als später die verfluchten Preußen!“ Das Messer
            
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