Full text : Feierabend-Stunden

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Eine finstere Nacht machte dem blutigen Ringen bei
Dijon ein Ende. Hier und dort noch vereinzelte Schüsse,
dann war Alles still und die Flammen der brennenden
Häuser und Gehöfte bildeten den schauerlichen Hintergrund
des Schlachtfeldes. Schweres Gewölk, von einem scharfen
Ost gejagt, zog eilend am Himmel hin und nur dann und
wann warf der Mond einen kurzen Blick auf die Stätte der
Zerstörung, wo noch kurz vorher Friede, Ordnung und
Wohlstand heimisch gewesen waren. Der Hufschlag und das
klägliche Wiehern von verwundeten Pferden, welche über die
zahlreich Gefallenen, die hie und da ihrem Herumirren im
Wege lagen, mit Aufbieten ihrer letzten Kraͤfte hinweg zu
setzen suchten, und das Seufzen und Jammern sterbender
und verwundeter Krieger, waren die einzigen Lebenszeichen
auf dem Kampfplatz, welche die Nacht mitleidsvoll mit ihrem
dunklen Schleier bedeckte.
An den Stamm einer knorrigen Weide mit dem Rücken
gelehnt, versuchte einer der Verwundeten, dem der linke
Schenkel durch einen Granatsplitter verletzt war, so gut als
möglich seine Wunde zu verbinden. Als er mühsam die
traurige Arbeit zu Ende gebracht hatte, griff er nach seiner
Feldflasche, nahm einen Schluck, schlug alsdann seinen Mantel
fester zusammen und suchte mit aller Anstrengung gegen den
Schlaf und die durch den Blutverlust eingetretene Ermattung
zu kämpfen. Um sich so lange als möglich gegen einen
räuberischen Ueberfall vertheidigen zu können, legte er den
Degen neben sich und prüfte seinen Revolver, den er vor—
sichtig in die Seitentasche steckte. So harrte er der Dinge,
die da kommen sollten; vor allem Anderen aber hoffte er,
daß das Sanitätscorps bald erscheinen würde, um hier seinem
edlen Berufe obzuliegen. Allmählig verfiel der Mann in
einen Halbschlummer, in jenen Zustand, wo Phantasie und
Wirklichkeit um die Herrschaft über den Geist des Müden
ringen. Bilder der Vergangenheit und Gegenwart zogen an
ihm vorüber und er wäre dem Schlaf, vielleicht dem ewigen
Schlaf verfallen, wenn nicht eine dumpfe Stimme und der
Schein einer Blendlaterne ihn plötzlich in die Wirklichkeit
            
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