Full text : Feierabend-Stunden

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Es würde weit über den Rahmen unserer Erzählung
hinausgehen, wollten wir den blutigen Ereignissen Schritt
für Schritt folgen; es sei daher nur kurz der Siegeslauf
angedeutet, mit dem die deutschen Heere bis in das Herz
von Frankreich drangen.
Rasch eilten die deutschen Fahnen von Sieg zu Sieg. In
180 Tagen hatten die deutschen Heere 1566 mehr oder min—
der bedeutende Gefechte bestanden, 19 Schlachten geschlagen,
26 feste Plätze genommen, 11650 Offiziere, 363 000 Mann
Gefangene gemacht, über 6700 Geschütze und 120 Fahnen
erobert!

Verlassen wir jetzt die blutigen Schlachtgefilde und kehren
wir zurück in die friedlichen Räume des Forsthauses zu
Erlenbronn.
Die weit von der großen Heerstraße und der Bahn ent—
fernte Gegend, in welcher die gräflich Hochfeld'sche Besitzung
lag, befreite die Bewohner des Forsthauses von Einquar—
tierungen und Durchmärschen, es war nur die Sorge für
die im Felde stehenden Männer, welche die Freude über den
Sieg der deutschen Sache trübte.
Anfänglich kamen jede Woche Briefe vom Grafen und
Hellmuth; auch Otto ließ es nicht an Nachrichten fehlen
und, ehe ein Monat vergangen war, hatten sich die Frauen
in ihre Lage und Aufgabe zu finden gewußt. Je weiter
aber die deutschen Heere vorrückten, desto seltener wurden
die Nachrichten vom Kriegsschauplatz. Als nach dem großen
Siege bei Sedan und der Gefangennahme des französischen
Kaisers und seiner Armee in Paris die Republik proclamirt
wurde, und der deutsche Heereszug sich auf Paris richtete,
wurden die Nachrichten in Erlenbronn immer spärlicher.
Der Graf, Hellmuth und Otto waren bis hierher von jedem
Unglück verschont geblieben, obgleich die Regimenter, in denen
sie dienten, mit Ruhm in mehreren Schlachten gefochten,
bei Sedan Otto sich so ausgezeichnet hatte, daß er das eiserne
Kreuz erhielt und zum Offizier befördert wurde.
            
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