Full text : Feierabend-Stunden

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pue sei dieses Glas der reinsten Liebe geweiht, sie lebe
o fu
Hell erklangen die Gläser und jubelnd brauste das Hoch!
dreimal durch den festlichen Raum. Als Otto von Eschen
eben im Begriff war, mit Melanie anzustoßen, bemerkte er,
daß sie noch bleicher war als vorher und als er fragend
und besorgt dem Mädchen ins Auge schaute und sein Glas
mit dem ihrigen in Berührung bringen wollte, da — ein
heller Klang und in Scherben lag Melanies Trinkglas am
Boden! Ein schweres Ach! entrang sich ihrer Brust, in dem—
selben Augenblick aber auch stand Louise schon an der Seite
der Freundin und frug mit theilnahmsvoller Besorgniß:
„Was ist Dir, Melanie? Ist Dir nicht wohl?
„Nichts! Nichts! liebe Louise“ wehrte diese sanft ab;
„nur meine Ungeschicklichkeit ist die Ursache.“
Der alte Herr von Eschen lächelte und setzte ein frisch
gefülltes Glas vor Melanie nieder.
„Das hat nichts zu sagen, mein liebes Kind,“ tröstete
er freundlich, dann fuhr er zu der Gesellschaft gewandt in
seiner Rede weiter fort:
„Da wir nun einmal auf das Feld der Liebe gerathen
sind, so darf ich auch nicht verfehlen, den verehrten Gästen
mitzutheilen, daß ich heute Morgen auf demselben einen
halben Erfolg errungen habe, und zwar als Brautwerber
für meinen Sohn um die Hand der Tochter unseres Freundes
Hellmuth, der schönen Melanie, meiner lieben Nachbarin
hier!“
Mit diesen Worten zog der alte Herr das erbleichende
Mädchen sanft zu sich empor, aber Melanie schien unempfind—
lich für den jubelnden Ausbruch des Beifalls, welcher dieser
unerwarteten Wendung und Mittheilung folgte; Thränen
perlten in ihrem Auge, als ihre Mutter sich ihr nahete und
sie in die Arme schloß. Diese und Frau von Eschen waren
sorgsamst bemüht, sie mit Liebkosungen in herzlichster Weise
zu beruhigen; fast willenlos und unter Thränen lächelnd,
nahm sie die Glückwünsche der Versammelten entgegen. Auch
Otto wußte nicht, ob er träume oder wache, erst sein Nachbar
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