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Melanie heute Abend ihrem Vater und küßte ihm die Wange,
den übrigen Freunden aber reichte sie die Hand und verab—
schiedete sich, der Mutter überlassend, ihr Weggehen zu ent—
schuldigen. Diese that es und gab alsdann Melanie das
Geleite. Kaum aber befanden sich Beide aus dem Bereiche
der Gesellschaft, da nahm Melanie der Mutter Arm und sagte:
„Mutter, meine liebe Mutter, zur Ruhe kann ich noch
nicht gehen; in dem Zimmer könnte ich es ebensowenig aus—
halten. Zürne mir nicht; komm' ich will es Dir sagen,
weßhalb; ich muß mit Dir reden!“
„Beruhige Dich, Melanie“, bat sanft die Försterin;
„komm' mit auf mein Zimmer, dort kannst Du ungestört
mir vertrauen, was Dich so tief bewegt.“
Und lange saßen Mutter und Tochter zusammen; was
sie Alles sprachen, das hat des Dichters Feder schon halb
verrathen, die andere Hälfte muß er der Phantasie-des Lesers
und der schönen Leserin überlassen. Nur so viel sei noch
erwähnt, daß, als sich beim Abschiede Melanie nochmals an
der Mutter Brust warf, in den Augen der beiden Frauen
helle Thränen perlten. Waren es Thränen des Leides oder
der Freude? Wer kann es wissen! Sicher ist jedoch, daß
diese Zeugen innerster Bewegung ihre Quelle in zwei edlen
Frauenherzen hatten.
Als Frau Johanna zu der Gesellschaft zurückkehrte, fand
sie dieselbe noch in lebhafter Unterhaltung; das allgemeine
Tagesgespräch, die politischen Zustände, waren glücklich ab—
gewickelt und Begebnisse aus dem Jagd-, Militair- und
Studentenleben bildeten auch hier den beliebten Nachklang.
Was letzteres anbetraf, so war auf diesem Gebiete der lustige
Volkinsseld ganz besonders heimisch. In Leipzig, in Jena
spielte er auf dem Fechtboden und in der Korpskneipe eine
hervorragende Rolle, bis er schließlich auf letzterer Universität
wegen eines delicaten Duelles die zweifelhafte Ehre davon
trug, relegirt zu werden. Graf Hochfelden nahm sich des
Studiengenossen und talentvollen Mannes an und so kam
es, daß wir ihn heute als gutsituirten Rentamtmann kennen
lernten.