Full text : Feierabend-Stunden

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Wohl und Wehe Melanies zu entscheiden Niemand als sie
selbst berufen ist. Daß dieser Augenblick jedoch schon so
nahe sein soll, das, Herr Baron, vermag ich in der That
nicht zu fassen.“
„Sie haben es ja mit eigenen Augen und Ohren gesehen
und gehört, daß dem so ist“, warf der alte Herr lebhaft ein,
„und ich denke, daß es besser ist“, frühzeitig den Strom in
ein schützendes Ufer zu lenken, als abzuwarten, bis er brau—
send über dasselbe hinaustritt und die Blumen und Blüthen
vernichtet, die am Gestade erblühen.“ Hierauf theilte der
Baron der gespannt horchenden Frau mit, wie Otto bereits
seiner Mutter entdeckt habe, daß er Melanie liebe und fest
entschlossen sei, sie und nur sie als seine Gattin heimzu—
führen und nie einer anderen die Hand zu reichen, wenn
ihm irgendwie Hindernisse entgegen gesetzt würden. „Ich
bin der letzte derer von Halden-Eschen, und schließe lieber
die Reihe meiner Ahnen, als daß ich einen Ehebund eingehe,
in der die Liebe, die reine uneigennützige Liebe als Bettlerin
erscheint. So sprach der Junge“, endete der Baron seine
Mittheilung „und ich kenne ihn und weiß, daß er Wort
halten wird; er müßte ja sonst auch kein Halden-Eschen sein!“
So redend waren sie dem Forsthaus nahe gekommen und
ehe sie eintraten, bat der Baron seine Begleiterin, das eben
Gehörte einstweilen noch für sich zu behalten.
In dem Zimmer, das wir schon kennen, war bereits die
übrige Gesellschaft versammelt und als die Hausfrau und
der alte Baron eingetreten waren, wurde der Thee servirt.
Bald war es dem jovialen Rentmeister gelungen, die An—
wesenden in eine lebhafte Unterhaltung zu verwickeln, an
welcher schließlich auch Otto mit Interesse Theil nahm. Nur
Frau Johanna und Melanie waren diesen Abend schweig—
samer denn je und die auffallende Blässe und Wehmuth, die
über dem Antlitz und dem ganzen Wesen der letzteren aus—
gebreitet lag, entschuldigte sie der Mutter gegenüber mit
Kopfschmerz und als bald darauf Melanie sie um die Er—
laubniß bat, sich zurückziehen zu dürfen, gab Frau Hellmuth
gerne ihre Zustimmung. Wie als Kind, so nahte sich auch
            
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