Full text : Feierabend-Stunden

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die sie am heutigen Abend so klar und unumwunden zu er⸗
kennen gab. Ich werde mein Kind nach Mutterpflicht in
einem Kampfe unterstützen, über dessen Entscheidung, Sie
Herr Baron und auch ich nur wünschen können, daß der
Verstand über eine Liebe siegt, die möglicherweise doch nichts
mehr oder weniger als ein Strohfeuer ist, dem die Nahrung
zu entziehen uns eine unerläßliche Pflicht sein wird.“
Der Baron antwortete nicht. Nachdenkend schritt er an
dem Arme der trefflichen Frau eine Weile hin. Plötzlich
hemmte er den Schritt und zu seiner Begleiterin gewandt
begann er ernster als zuvor:
„Ich habe von Ihnen, verehrte Frau, keine andere Ant—
wort erwartet; aber dennoch muß ich entgegnen, daß Sie
die Sache in einem zu grellen Lichte sehen. Mit vollem
Rechte werfen Sie Standesehre, das Urtheil der Welt, die
dunkle Herkunft Melanies und Gott weiß was sonst noch in
die eine Wagschale, aber ich frage Sie in diesem Augenblicke
in allem Ernste: Würde diese Wagschale in Ihren Augen
als die leichtere betrachtet werden, wenn ich in die andere
das Glück meines und Ihres Kindes legen und vor Sie
treten würde mit der Frage: darf ich für meinen Sohn um
F Hond Ihrer Tochter werben, deren Herz er schon lange
esitzt?“
Fragend und erstaunt blickte die Frau den also Sprechen⸗
den an: „Herr Baron, das — das kann Ihr Ernst nicht
sein!“
„Doch, es ist mein voller Ernst! Ich frage Sie, werden
Sie auch mir als Brautwerber Ihre mütterliche Pflicht ent—
gegensetzen?“
„Dazu, Herr Baron, hätte ich kein Recht mehr“, ant—
wortete Frau Hellmuth; „auch die Pflicht, die ich einst
Melanie gegenüber übernommen habe, die Pflichten einer
Mutter, auch sie haben ihre Grenzen. Bis hierher habe ich
über mein Kind gewacht und die Pflichten getreulich erfüllt,
welche mir von Gott auferlegt worden sind und sie hat mir
diesen Beruf zu einem angenehmen und leichten gemacht.
Ich weiß es wohl, daß die Stunde kommen muß, wo das
            
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