Full text : Feierabend-Stunden

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durchzuckt, ergriff der Jüngling des Mädchens Hand und
rief segesfroh: „Melanie, meine angebetete Melanie, wenn
das nur der Daämon ist, der sich zwischen unsere Liebe stellt,
diesen fürchte ich nicht!“
Ruhig entgegnete Melanie: „Ich bin noch nicht zu Ende!
Weißt Du denn nicht, daß ich nicht die wirkliche Tochter
meiner jehigen Eltern, sondern nur ein unglückliches Wesen
bin, das, durch Zigeuner geraubt, in hiesige Gegend gebracht
und von der edlen Familie Hellmuth an Kindesstatt ange—
nommen worden ist. Weißt Du das nicht, Otto?“
„Was sagst Du da, Melanie?“ frug überrascht der junge
Maun, dem der Ursprung des Mädchens seiner Liebe in der
That unbekannt geblieben war; „Du bist nicht die wirkliche
Tochter Hellmuth's?“
Nein, Otto“, entgegnete sie traurig. „Darum greife
nicht mit rauher Hand in mein Geschick; gebiete einer Liebe
Halt, die zu nichts führen kann und störe nicht gewaltsam
den Frieden, den bis zu dieser Stunde der gütige Gott mir
hewahrt hat. Otto, in Deiner Hand liegt es, Kummer und
LZeid von Deinen und meinen lieben Eltern fern zu halten!
Die Rose die Deiner Liebe würdig, blüht in höheren Kreisen
und nicht im Forsthaus zu Erlenbronn.“
Die Worte der Jungfrau, so innig und warm sie auch
dem Herzen entströmten, hatten nicht die erhoffte Wirkung,
denn fest trat Otto vor das schöne Mädchen, legte die Linke
sanft auf ihre Schulter, die Rechte aber erhob er wie zu
inem Schwure zum hellgestirnten Himmel und entgegnete:
„Melaͤnie, ich verstehe die edle Sprache Deines Herzens;
jetzt aber, wo ich weiß, was Dich veranlaßt, meiner innigen
Ibe eine Kaͤlte entgegen zu setzen, wovon Dein Herz nichts
weiß, jetzt bist Du mir um so theurer geworden; jetzt erst
recht halte ich mich berufen und verpflichtet, Dein Glück in
meine Hand zu nehmen, mag da kommen was da wolle. Ich
—E genug!“
Stimmen wurden in der Nähe laut und Arm in Arm
ging das junge Paar den Nahenden entgegen, die in ihrer
frohen Laune die beiden jungen Leute gar nicht vermißt zu
            
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