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„Ich richte nicht und habe kein Recht zu richten“, er⸗
wiederte Otto, „mein Urtheil erwarte ich von Dir! Nur
Eines sage mir, Melanie, nur die eine Frage beantworte
mir vorher offen und frei: Ist es ein Anderer dem Dein
Herz gehört?“
Ein trübes Lächeln umspielte einen Augenblick das ernste
Antlitz der Jungfrau und hoch das Haupt erhebend ent—
gegnete sie wehmuthsvoll:
„Kein Mensch ist es, der zwischen Dich und Deine Liebe
tritt, wie Du es wähnst! Otto! Mein Herz ist frei und Du
bist der Einzige. dem in demselben auf ewig eine Stätte in
Liebe bewahrt bleiben wird, wie auch später das Geschick
über meine Zukunft entscheiden möge. Doch mehr als Freundin
darf und kann ich Dir nicht werden. Unterbrich mich nicht
Otto“, bat sie den Jüngling, der eine Entgegnung auf den
Lippen hatte. „Ich zweifle nicht an der Aufrichtigkeit Deiner
Liebe zu mir; ich kenne Dein edles braves Herz. Aber hast
Du auch überlegt, was es heißt, wenn ein Mann Deines
Namens, Deines Standes aus seiner Sphäre herabsteigt
und ernstlich um Herz und Hand eines Mädchens wirbt,
das vom Schicksal so tief unter ihn gestellt worden ist? Es
—
heit und Sitte in der Gesellschaft gezogen haben? Willst und
kannst Du die Ueberlieferung Deines Hauses mißachten?
Was werden Deine Eltern, was die Welt sagen, wenn es
dem reichen Baron von Eschen einfiele, ein Mädchen zu
freien, dessen Herkunft so dunkel ist?“ Melanie wollte noch
weiter sprechen, doch Otto unterbrach sie mit dem Ausruf:
„Meine Eltern werden mir ihren Segen nicht versagen,
und um das Urtheil der Welt mich zu bekümmern, habe
ich nicht nothwendig! Mein Vater theilt die Vorurtheile
seines Standes nicht; auch meine gute Mutter ist ja nicht
von Adel und wenn ich morgen vor sie trete und sage: Ich
bin der letzte derer von Halden-Eschen, erlaubt, daß ich mit
der Tochter des Försters Hellmuth in die Reihe unserer
Ahnen trete, so werden sie mir, dem einzigen Kinde, ihren
Segen nicht versagen.“ Von neuer Freude, neuer Hoffnung