Full text : Feierabend-Stunden

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Ort des Kummers und des Leides so schnell wie möglich
verlassen zu können. Gerührt reichte er der Gattin Bar—
tholdys die Hand, dann sprach er noch mit bewegter Stimme:
„Es ist von höherer Stelle verfügt worden, zur schnelleren
Erledigung der Untersuchung und um den Inhaftirten einen
würdigeren Aufenthaltsort während der wohl nur noch kurzen
Zeit der Untersuchung zu gewähren, dieselben nach Eberstein
zu überführen. Vorher aber wird Ihr Sohn, Frau Bartholdy,
noch hier erscheinen können, um von Ihnen und dem ver—
storbenen Vater Abschied zu nehmen. Diese Gunst verdankt
er, wie ich gehört, der persönlichen Verwendung des Herrn
Polizeiraths, des Vaters der Fräulein von Müldner hier,
welcher ich mich als Assessor Forster vorzustellen die Ehre
habe.“
Dorothea verbeugte sich stumm. Die arme Frau Bar—
tholdy aber vermochte kein Wort hervorzubringen und erst,
als sich die Thüre hinter dem Gerichtsbeamten geschlossen
hatte, setzte sie sich auf das Sopha und ein Thraͤnenstrom
ergoß sich ihren durch Schmerz und Wachen getrübten
Augen.
Ergriffen und theilnahmsvoll setzte Dorothea sich neben
die teufgebeugte Frau, welche in diesem Augenblicke ein Bild
des größten Seelenschmerzes darbot; ihr Trostesworte zuzu—
sprechen, vermochte sie aber nicht; sie wußte, daß für ein
solches Leid menschlicher Trost nicht ausreichte. Mit aller
Ueberwindung nur vermochte das edle Mädchen die eigenen
Thränen zurückzuhalten; ruhig lehnte es sein Haupt an die
Schulter ihrer mütterlichen Freundin, als wollte sie sagen:
Ich fühle Deinen Schmerz und theile ihn mit Dir! Ach,
Dorothea wußte es ja, welche Herz und Seele erschütternde
Prüfung der armen Frau noch bevorstand, wenn Friedrich,
ihr einziger und geliebter Sohn, kommen würde, um von dem
todten Vater Abschied zu nehmen, um hiernach — seinen
Peinigern in den Kerker zu folgen.
Aengstlich lauschte Frau Bartholdy auf jedes Geräusch,
das zu ihren Ohren drang; denn seit der Gerichtsassessor
ihr mitgetheilt hatte, daß sie ihren Sohn, ihr einziges Kind,
            
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