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„Melanie, was ist zwischen mich und Dich getreten, daß
Du so fremd und kalt mir begegnest?“
Verwundert blickte Melanie zu dem Fragenden auf, fand
aber nicht sogleich ein Wort der Erwiderung. Dringender
fuhr Otto deshalb fort:
„Melanie, beim Andenken an unsere Freundschaft, bei
allen Erinnerungen unserer Jugend, die doch auch Du nicht
vergessen haben kannst, beschwöre ich Dich, sage mir, was
die Ursache dieser plötzlichen Wandlung ist?“
Mit leicht gesenktem Haupte vernahm das Mädchen auch
diese Frage und Otto fuͤhlte, wie ihr Arm leise in dem
seinigen bebte; sie schien tief bewegt, doch nur einen Augen—
blick. Dann sah sie dem Freunde offen ins Angesicht und
antwortete ruhig und mit fester Stimme:
„Was zwischen uns getreten? Es ist die Zeit, in
welcher wir den Kinderschuhen entwachsen sind. Von Kälte
und einer Wandlung in meinen Gesinnungen aber weiß ich
Nichts. Es giebt auch Nichts, was diese Annahme recht—
fertigen könnte.“
„Du weichest meiner Frage aus, Melanie und ahnest
nicht, wie schmerzlich Du mich berührst! O, theures Mädchen,
hast Du denn gar keine Ahnung davon, wie hoch und heilig
ich Dich verehre wie unendlich ich Dich liebe und ....“
„Halten Sie ein, Herr von Eschen, ich bitte Sie, in
diesem Tone nicht weiter zu reden! Auch ich hoffe, daß Sie
die schönsten Erinnerungen an unsere Jugend nicht trüben
a in mir den Glauben an Ihr edles Herz nicht schwächen
wollen . ...“
„Melanie“, hauchte Otto gepreßt, „ich muß reden, ich
muß Gewißheit haben! Sage, daß Du mich liebst, und
heute noch trete ich vor meine Eltern mit der Bitte, Dir
mein treu liebendes Herz mit Allem was mein ist, zu Füßen
legen zu dürfen ..“
Erschüttert stand die holde Jungfrau vor dem Jüngling,
dessen treues Auge innig und fest auf sie gerichtet blieb.
Eine Thräne sah er an ihren Wimpern glänzen; er beugte
das Knie und bat mit flehender Stimme: