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Hier war jedoch seines Bleibens nicht lange; es drängte
ihn hinaus ins Freie, denn der beglückende Strahl einer
ersten Liebe erfüllte des Jünglings Brust. Melanies Bild
begleitete ihn auf allen Lebenswegen und die Briefe, welche
die beiden jungen Leute anfänglich zur Unterhaltung und
zum Austausch von Nachrichten und Neuigkeiten wechselten,
gewannen allmählig an Innigkeit und tieferem Inhalt, ohne
daß jemals das Wort Liebe von einer Seite ausgesprochen
worden wäre. Anders waren die Briefe, welche die junge
Gräfin Louise zuweilen an ihren Jugendfreund Otto von
Eschen und an Melanie richtete. Was die letzteren sorg—
fältig verschwiegen, das nannte der muthwillige und neckende
Geist Louisens offen und klar bei jeder Gelegenheit und so
plauderte sie auch das theilweise aus, was die vertraute
Freundin arglos ihr mittheilte, wenn von Otto unter den
beiden Jungfrauen die Rede war. Von ihr wußte Otto,
daß Melanie ihm von Herzen zugethan war, heute jedoch,
wo er das Mädchen nach langer Trennung wieder sah und
die zarte Knospe zur schönsten Rose entwickelt fand, da
zum sersten Male stieg in ihm ein Zweifel auf. Ob sie mich
auch wirklich liebt, wie ich sie liebe? Ob sie nicht meiner
Liebe nur das Gefühl der Freundschaft entgegenbringt? Diese
und ähnliche Zweifel stiegen heute zum ersten Male in ihm
auf, und — koste es was es wolle — er wollte und mußte
sich Gewißheit verschaffen. In solche Gedanken vertieft,
schritt er in den Park hinein und als Otto nach einer halben
Stunde des Herumwandelns auf dem Rückwege zu dem
Forsthause an der Lieblingslaube Melanies vorüberging, sah
er in derselben den Strohhut des Mädchens liegen, von
dessen Lippen er heute noch eine Entscheidung erbitten wollte,
die für sein ganzes Leben — wie er sich sagte — bestimmend
sein sollte. Er griff nach dem Hute, als einer günstigen
Gelegenheit, mit Melanie sofort wieder sprechen zu können;
doch als er ihn aufhob, da sah er, daß auch ein Buch unter
demselben lag Auch dieses nahm Otto zu sich, doch kaum
hatte er einen Blick auf dasselbe geworfen, da zitterte
des jungen Mannes kräftige Hand, denn auf der ersten