auszugehen berufen sind, und sie allein des Amtes walten,
wie ein bevorstehendes Begräbniß es erfordert.
In der übrigens ganz ruhigen Stadt liefen die ver—
schiedenartigsten und seltsamsten Gerüchte von Haus zu
Haus: es hieß, der Belagerungszustand solle noch vor dem
Begräbniß Bartholdys ausgesprochen werden, um einer allen—
falls bei dieser Gelegenheit beabsichtigten Emeute vorzubeugen;
ebenso wurde die Nachricht verbreitet, von Kassel und Fulda
aus sei Militär im Anmarsch, für ganz bestimmt aber wurde
behauptet, die politischen Untersuchungsgefangenen würden
nach Mainz in die Kassematten gebracht werden, weil die
Bundes-Central-Untersuchungscommission für Demagogen
und Hochverräther es befohlen habe. Durch alle diese Ge—
rüchte wurden die Gemüther in fortwährender Aufregung
erhalten.
Daß das bevorstehende Begräbniß Bartholdy's von den
Behörden mit mißtrauischen Augen betrachtet wurde, ist
selbstverständlich und im Stillen bereitete man Alles vor,
um nöthigenfalls neuen Unruhen mit ganzer Kraft entgegen—
treten zu können. Was am meisten befuͤrchtet wurde, das
war eine gewaltsame Befreiung der politischen Gefangenen.
Einer solchen vorzubeugen, wurde der unglückselige Beschluß
gefaßt, sie noch vorher an einen anderen fernen Ort in
Sicherheit zu bringen. Diesen Plan geheimnißvoll in der
Nacht auszuführen, hielt man nicht rathsam, weil man, wohl
mit Recht, fürchtete, das Vorhaben würde doch entdeckt oder
auch durch Verrath zur Kenntniß der Skandallustigen gebracht
werden. Es wurde daher fürs Beste gehalten, den Unrnhe—
stiftern zu zeigen, daß man sie nicht fürchte und einem allen—
fallsigen Befreiungsversuche mit der Gewalt der Waffen ent—
gegenzutreten wisse.
Eine Compagnie Soldaten erhielt daher den Befehl, sich
sofort marschbereit zu machen, und wie ein Lauffeuer ver—
breitete sich diese Kunde von Haus zu Haus. Der Zweck
dieser militärischen Anordnung ward von der Bevölkerung
instinktmäßig erkannt. Auf diese Weise hatten die maßgeben—
den Personen nur Oel ins Feuer geschüttet. Wie hoch die