Full text : Feierabend-Stunden

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eine Labung zu bringen. Sie fanden das arme Weib wachend
auf dem Strohlager, von dem es sich nicht mehr erheben
konnte, und nur mit vieler Mühe vermochte es etwas warme
Milch zu sich zu nehmen. Die Krankheit hatte reißende
— ——
der Unbekannten schon auf die Stirne gedrückt. Ich eilte nach
dem Zigeunerlager, erfuhr aber, daß dasselbe in aller Frühe
eiligst wieder abgebrochen und die ganze Bande durch Gens—
darmen zwangsweise uͤber die Grenze gebracht worden war.
Ich ging zu dem Bürgermeister und erzählte ihm das Vor—
gefallene. Alsbald kam dieser auch zur Stelle und begann
mit dem armen Weibe ein Verhör. Das gelang ihm aber
schlecht; die Zigeunerin verstand ihn nicht mehr, antwortete
meistens nur durch Geberden und Zeichen und, als er das
Kind an des Weibes Lager bringen ließ, machte es eine
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denn bei seinem Änblicke fuhr die Kleine schaudernd zusam—
men und flüchtete wie ein verfolgtes Täubchen zu der Rieke,
hinter welcher es sich zu verbergen suchte.
Der Bürgermeister besah sich das Kind genauer und frug
dann die Kranke in strengem Tone:
„Ist das Euer Kind?“
Die Gefragte schwieg, als verstände sie die Frage nicht,
und erst, als er seine Frage dringender und unter Drohungen
mehrmals wiederholte und auch der Ortsdiener Kalisch mit
seinem rothen Kragen in die Scheune trat, erhob sich die
Kranke mühsam und stützte sich auf den rechten Arm.
„Ist das Euer Kind? Seid Ihr die Mutter dieses Kin—
des Ich frage jetzt zum letzten Mal!“ rief unser Bürger—
meister mit der auch Euch bekannten schneidenden Stimme.
Das Weib schüttelte verneinend mit dem Kopfe und ant—
wortete mühsam:
„Nicht mein Kind sein — Boska — der Fuchs — es
gestohlen — und ich habe müssen bei ihm bleiben und be—
wachen — —“
„Wo und wann ist das Kind gestohlen worden?“ frug
der Bürgermeister Volkmer weiter.
            
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