Full text : Feierabend-Stunden

307

C,
en
hen
che
sah
on
iße
den
nd
ter

nt,
Jes

en,
7

ihe

hte,
den
det
Zeit

so
)er⸗
Auf
ren

eten
esitz

„es
eine
fen
vor
ren

Morgen früh erschienen zwei braune Männer im Orte und
trugen sich als Kessel- und Pfannenflicker an, die Weibs—
personen wollten Einkäufe von Lebensmitteln machen, und
eine, die älteste darunter, eine braune, verwitterte, phan—
tastisch gekleidete Gestalt, erbot sich als Wahrsagerin und
Kartenschlägerin. Es war eine zudringliche Sippschaft, und
Jedermann wünschte, sie so bald als möglich den Ort ver—
lassen zu sehen.
„Es war am Donnerstag, als ich Abends mit meiner
Frau im Hausgarten das Abendbrod genoß, als die nach
dem Fuhrweg führende Gartenthüre sich öffnete, und ein
Weib der Zigeunergesellschaft neugierig sich umblickend auf
uns zutrat. Sie trug ein Kind in Lumpen gehüllt auf dem
Arme, in der Rechten hielt sie einen Stab, auf den sie sich
mühsam stützte.
„Habt Erbarmen“, sprach das Zigeunerweib auf meine
Frage, was sie wolle, „habt Erbarmen um des großen Geistes
Willen, ich bin krank, sehr, sehr krank, gewährt mir eim
Strohlager in irgend einem Winkel, im Zelt ist kein Platz
für die kranke Jena und das Kind, das arme Wurm.“
„Das Weib sah in der That leidend, sehr leidend aus,
hohl und geisterhaft blickten ihre dunkeln Augen flehend auf
mich und meine Frau nieder, wir beiden aber wußten nicht,
was wir antworten sollten. Da streckte das Kind, die Brod—
schnitten erblickend, verlangend seine Händchen aus und stieß
Laute hervor, die trotz ihrer Unverständlichkeit uns nur zu
deutlich sagten, daß es Hunger habe. Ich sah nach meiner
Frau, die aber war schon aufgestanden, der Kranken einen
Stuhl anzuweisen. Müde und gebrochen ließ das hagere
Weib sich auf demselben nieder.“
Lehrer Timmel machte eine Pause, nahm aus der silbernen
Dose, welche ihm zu seiner silbernen Hochzeitsfeier von der
Pfarrgemeinde verehrt worden war, eine Prise und wischte
sich aufs Neue den Schweiß von der gefurchten Stirne.
Unterdessen hatte seine Begleiterin das Kind, das sich als
ein Mädchen von ungefähr ein und einhalben bis zwei

20*
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.