Full text : Feierabend-Stunden

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seine Frau sein Alles und das Glück, um welches sich des
wackeren Mannes ganzes Leben und Streben drehte. Dabei
war er nach deutscher Waidmannsart ein treuer Freund
seinen Freunden, und wenn er einen Kreis solcher um sich
versammelt hatte oder sich in Gesellschaft befand, da gab es
keinen herzlich munterern und biederern Character weit und
breit. Kein Wunder, daß der Förster Franz Hellmuth bei
Hoch und Niedrig beliebt und geachtet und in der weiten
Umgegend bekannt war.
Das Forsthaus zu Erlenbronn bestand nicht nur aus der
Försterwohnung und den zu derselben gehörigen Räumlich—
keiten, vielmehr erhob sich auf einem Huügelplateau auf der
nördlichen Seite derselben noch ein Herrschaftsgebäude, im
Volksmunde das „Schlößchen“ genannt, welches von Mit—
gliedern der gräflichen Familie zuweilen, doch nur selten und
auf kurze Zeit bewohnt wurde, um hier in dem ergiebigen
Revier der Waidmannslust zu leben. Auch dieses Haus war
der Verwaltung und Obhut Hellmuths anvertraut.
Es war im Jahre 1859, als am frühen Morgen des
heiligen Pfingstfestes Franz Hellmuth die Försterei verließ;
diesmal nicht, wie gewöhnlich, die Flinte auf dem Rücken,
sondern nur, um nach seinen „Kindern“, den Waldkulturen,
zu sehen und von der alten Gewohnheit auch am heiligen
Festmorgen nicht abzugehen. Hier, in des Waldes trauter Ein—
samkeit, wollte er sich nochmals vorbereiten zum heiligen Abend—
mahl, das als guter Christ zu empfangen er und seine Frau
seit ihrem ehelichen Znsammensein niemals unterlassen hatten.
Langsam schritt er in dem herrlichen Wald, der in der
Nähe des Forsthauses mehr einem Park als einem Walde
glich, dahin und mit Wonne athmete er die Düfte ein, welche
von den mannigfachsten Blumen und Blüthen ausströmten.
Feierliche Stille herrschte rings umher, und nur das Säuseln
in den Gesträuchen, den Wipfeln der mächtigen Tannen und
den Kronen der Eichen, vermischt mit dem Gesange und
Gezwitscher der Vögel war es, was wie ein Gebet durch die
Sabbathsruhe des Pfingstmorgens tönte. Allmählich verlor
die Umgebung ihr parkaͤhnliches Ansehen, und ehe er sich es
            
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