Full text : Feierabend-Stunden

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Morgen bis zum Abend ein schönes Bild gewerblicher Thätigkeit
 und deutschen Fleißes sich entfaltet, waren die Flammen
auf den Schmiedeessen verlöscht, die Schraubstöcke standen
leer und die schweren Hämmer lagen ruhig wie die Todten
um den Ambos herum. Die Gesellen saßen grollend daheim
und in der Herberge, denn die Seele des Ganzen, der Meister,
war todt. Nur der Altgeselle, der Königsberger, konnte es
nicht über sich gewinnen, Haus und Werkstätte zu verlassen.
Düster ging er in dem stillen Hause umher, um bei der
Hand zu sein, wenn irgendwo von der Frau Meisterin sein
Rath und Beistand verlangt werden sollte. Diese aber saß
trauernd und gebeugt oben in dem Wohnzimmer, wo nebenan
Bartholdy, ihr guter und geliebter Mann, den Schlaf der
Ewigkeit schlief. Männer und Frauen, verwandte und nicht⸗
—
verhofft zur Wittwe gewordenen Frau Theilnahme, Trost
und aufrichtiges Mitleid auszusprechen. Auch Dorothea, die
Tochter des Polizeiraths, hatte sich, als eine der Ersten ein—
gefunden, denn sie liebte und ehrte die unglückliche Frau,
welche die einzige treue Freundin ihrer verstorbenen Mutter
war, von ganzer Seele. Der Polizeirath hatte es ihr mit
freudigem Herzen erlaubt, als sie den Wunsch aussprach, der
armen Frau in ihrem Kummer mit Trost und Hülfe bei—
stehen zu dürfen. „Ich selbst, sprach er zu seiner Tochter,
werde die Pflicht in jeder Beziehung nach allen Kräften
erfüllen; in diesen Tagen der Aufregung jedoch würde mein
Erscheinen in dem Trauerhause sicherlich sofort eine Zusammen—
rottung von Neugierigen zur Folge haben.“
Frau Bartholdy schloß das edle Mädchen weinend in die
Arme und war gerührt und erfreut, als sie hörte, daß Dora
so lange bei ihr bleiben wolle, als sie es wünsche. Hatte
doch Frau Bartholdy in diesen Tagen des Leidens und der
Trauer so viel zu denken und zu sorgen, und Dora erschien
ihr daher wie vom Himmel gesandt.
Verlassen wir für einige Augenblicke das Trauerhaus
und dessen Bewohnerinnen und Alle, welche hier ein⸗- und
            
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