Full text : Feierabend-Stunden

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Obgleich er sich noch nicht zu deuten wußte, warum der
Besuch Johannas für den Friß eine besondere Freude sein
sollte, so machte er dennoch keine Einwendung und Vater
und Tochter waren bald auf dem Wege nach der Wohnung
des Sternwirths.
Foörster Rehbein blieb bei Frau Anna zurück und diese
erzählte dem wackeren Förster nun, wie sich die Herzen der
beiden jungen Leute gefunden und daß ihrem Manne das
diebesverhaͤltniß bis jetzt noch unbekannt geblieben sei, wie
auch ihr bis vor drei Tagen, wo es ihr die Kinder selbst
gestanden hätten.
Der gute Förster wußte nicht, was er sagen sollte; er
dachte woͤhl jeßt auch an seine erste Liebe, an das schöne
Mädchen, das nun als Gattin des Freundes vor ihm stand.
Es schimmerte eine Thräne in seinem Auge, als er ergriffen
sprach: „Anna, was Gott für einander bestimmt hat, das
kommt zusammen, wie auch des Schicksals finstere Mächte
dagegen walten.“ Dann nahm er sein Gewehr über die
Schulter, drückte der Hausfrau innig die Hand und ging in
die Nacht hinein, dem öden Försterhaus zu.
Währenddessen spielte sich in dem „goldenen Stern“ eine
andere Scene ab.
Nachdem der Obersteiger dort in die Wohnung Steins
getreten war, ist es sein Erstes gewesen, dem einstigen Jugend⸗
freund die Hand zur aufrichtigen Versöhnung zu reichen.
Anton“, sprach er in tiefser Ruͤhrung, „vergessen soll sein
auf ewig, was uns einst getrennt und was wir als Jünglinge
 waren, bevor die Liebe zu einem und demselben Mäd—
chen uns auseinander gerissen, das wollen wir jetzt wieder
als Männer sein. Treue Freunde bis zum Grabe — Du,
der Hans und ich! Bist Du es zufrieden, Anton?“
Da reichte auch dieser dem Bittenden die Rechte und
sagte: „Ja, Paul, ich bin es von Herzen. Verzeihe mir,
daß ich den Verlust der Anna nicht so leicht verschmerzen
konnte, wie der Hans — der lebt aber auch noch, wie er
erst neulich sagte, glücklich in der Erinnerung an seine erste
und einzige Liebe — der gute Hans!“ Sie hätten vielleicht
            
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