Full text : Feierabend-Stunden

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„Laß das, Paul“, begütigte der Förster, „wenn Du gehen
willst, dann komme; ich gehe mit.“ Er nahm Stock und
Filzhut, reichte den übrigen die Hand und schritt der Thüre
zu. Auch der Obersteiger machte es so; er reichte jedem,
mit Ausnahme des Sternwirths, die Hand, und folgte dem
Förster.
„Paul“, rief der Blonde, „willst Du wirklich gehen, ohne
auch mir die Hand zu reichen!“
„Ja, ich gehe“, sagte dieser empfindlich; morgen sollst
Du nicht Deinen Stammgästen erzählen können, daß Du
dem armen Obersteiger Wiederhold die Zeche bezahlt hättest.
Ich kenne Dich, Anton und weiß auch, daß Du heute meinen
Händedruck eben so wenig suchst, wie an jenem Tag, wo ich
dir mit ihnen die Mühe für das Pflanzen des Maibaumes
heimgezahlt habe! Verstehst Du mich, Du Prahlhans!“
Damit schlug er die Thüre zu, daß die Fensterscheiben klirrten.
Der Sternwirth wollte ihm nachgehen, die anderen litten es
aber nicht und so war des Försters gute Absicht, die Jugend—
freunde zu versöhnen, in der letzten Stunde gescheitert. Mehr
getrennt als je waren von nun an die beiden Männer.
Es war spät am Abend, als der Obersteiger zu den
harrenden Seinen kam. Frau und Tochter begrüßten ihn
herzlich, doch merkten sie gar bald, daß er verstimmt und
ernster war als je. Auf die theilnehmenden Fragen seiner
Frau antwortete er kurz und abweisend und auch am kom—
menden Morgen war es nicht anders. Ehe er zur Grube
ging, versuchte Frau Anna nochmals zu erfahren, was ihn
verstimmt habe; er antwortete ihr jedoch nach gewohnter
Art:

„Es ist nichts, Frau, gar nichts! Wenigstens schlägt es
nicht in Deinen Kram! Geschäftssachen, um die Du Dich
nicht zu kümmern hast .. ..“
„Soll ich mir keinen Kummer machen, Paul, wenn ich
sehe, daß Du etwas auf dem Herzen hast, was Du mir vor⸗
enthältst? Bin ich nicht Deine Frau, welche berufen und
oderpflichtet ist, mit Dir Leid und Freud zu tragen!“
            
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