Full text : Feierabend-Stunden

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leihen der Criminaljustiz nur den Arm, wenn es gefordert
wird.“
„Und ärntet für ihre Fehler und Härten den Haß und
den Fluch der Bevölkerung“, rief das Mädchen mit Leiden—
schaftlichkeit.
Der Polizeirath erhob sich; erstaunt, fast erschreckt sah
er seine Tochter an, dann rang es sich gedehnt und erregt
aus seiner Brust: „Dora, Dora, wohin läßt Du Dich durch
das Gefühl des Mitleids reißen? Hat auch Dich der Um—
sturzgeist unserer Zeit ergriffen?“
„Nein, mein Vater, das hat und wird er nicht“, erwiderte
die Jungfrau, welche gleichfalls aufgestanden und in ihrer
hohen und anmuthsvollen Gestalt dicht vor ihn hingetreten
war; „es ist nicht der Geist des Umsturzes und der Empörung,
der mich die harten aber wahren Worte zu Dir, geliebter
Vater reden ließ; es ist der Geist der Liebe, es ist die
kindliche Angst und Sorge um Dich, die mir gebieten, offen
auszusprechen, was mein armes Herz so lange schon quält!
Vater, mein guter und geliebter Vater, zürne mir nicht!
Ach siehe, wenn Du Dich in dem gefahrvollen und doch so
undankbaren Dienste der Polizei aufreibst, wenn Dir ein
Unglück zustößt, ach! ach! wie könnte, wie sollte ich das
ertragen! Es ist Zeit mein Vater, daß Du auch an Dich
denkst und — an die Pflichten, die Du Dir und Deinem
Kinde schuldig bist . .. Vater“, — flehte das Mädchen, vor
ihm das Knie beugend, „Vater, siehe, in dieser ernsten Stunde
bittet Dich Dein einziges Kind, verlasse so bald wie möglich
den Dienst; wir haben ja soviel, um überall bescheiden leben
zu können; laß uns fortziehen aus diesem Lande, wo der
Streit ewig an der Tagesordnung ist und Friede und Ver—
trauen zwischen Fürst und Volk niemals, niemals wieder
hergestellt werden wird. Du hast Deine Pflicht als Beamter
streng und getreu erfüllt, Du kannst Dich mit Ehren in den
Ruhestand begeben.“
Erschüttert neigte sich der Polizeirath zu der Tochter,
hob sie sanft empor und drückte sie schweigend an sein laut
vochendes Herz. Er fühlte, daß Dorothea die Wahrheit
            
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