Full text : Feierabend-Stunden

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„Auch ich beklage dieses Unglück und bedaure aufrichtig
die Winne, die ja die einzige und, beste Freundin Deiner
quten Mutter von Kindheit an gewesen und es auch bis zu
hrem Tode geblieben ist“, sprach der Rath, „doch, gegen
die Schläge des Schicksals giebt es kein anderes Mittel als
Muth und Resignation.“
Wie steht denn die Sache mit dem Fritz?“ frug nach
einer kleinen Pause das Mädchen, indem es sich etwas tiefer
als gewöhnlich auf ein Album beugte, das aufgeschlagen auf
dem Tische lag.
„Schlecht, sehr schlecht“, antwortete finster der Rath;
„wie ich hörte, soll er mit den anderen sich in Haft befind⸗
lichen Äufrüuhrern und Demagogen in einigen Tagen nach
Eberstein in das Untersuchungsgefängniß verbracht werden
der besseren Sicherheit wegen, wie ich hörte.“ .
„Nach Eberstein, Fritz Bartholdy nach Eberstein?“ frug
die Jungfrau in einem so schmerzlich erregten Tone, daß es
dem Vater auffiel und als er seine Augen auf Dorothea
richtete, schaute er in ein bleiches schmerzerfülltes Gesicht.
„So ist es“, bestätigte der Rathe. .. „doch, es ist spät,
uns zur Ruhe gehen.“ Dorothea schien es nicht zu
ören.
Noch einmal, gleichsam als ob sie sich verhört hätte,
frug sie den Vater: „Nach Eberstein in das Zuchthaus, soll
Fritz Bartholdy gebracht werden? -Er, der heute den Vater
derlor und der, ich bin es überzeugt, sich keines Verbrechens
schuldig gemacht haben kann!“
„Darüber haben wir nicht zu urtheilen, Dorothea“, ent⸗
gegnete ruhig und ernst der Polizeirath, dem das Zwiege—
spräch sichtlich unangenehm wurde; „glaube mir, auch ich
bedaure das Geschick der Familie, der einzigen Familie, welche
in dieser rebellischen Stadt mit uns in stetem freundschaft⸗
lichen Verkehre stand. Ich kann leider nichts daran ändern.
Fritz Bartholdy und die anderen neulich in das Gefängniß
gebrachten jungen Leute sind auf Grund eines Befehls der
Bundes⸗ Central ⸗Untersuchungscommission verhaftet worden.
Wir, die Polizeibehörde haben damit nichts zu thun; wir
            
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