Full text : Feierabend-Stunden

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geprägten Eigenwillen und ohne seiner Frau in irgend einer
Weise die Mitregentschaft zu gestatten. Haus, Küche, Keller
und Garten in Ordnung zu halten, ist des Weibes Beruf,
auf diesem Revier hat es genug zu thun; alle anderen An—
gelegenheiten zu leiten und zu regeln gebühren dem Manne,
pflegte er oft zu sagen, wenn die Rede auf dieses Thema
kam. Dabei war er keineswegs ein Knicker; er gab mehr
Geld für den Haushalt her, als nothwendig war und die
Einnahme für verkaufte Milch, Butter, Eier und dergleichen
betrachtete er als von Rechtswegen der Frau gehörig. Diese
hatte somit gar keine Ursache zur Klage und war schon
kängst an diese Eigenschaften ihres Mannes gewöhnt; sie
fand gar nichts Außerordentliches darin, daß sie seit ihrer
Verheirathung höchstens zwei bis drei Mal erst in den
offenen Schreibbult ihres Mannes einen längeren Blick
geworfen hatte: den hielt Wiederhold verschlossen wie die
Bundeslade und es würde jemand schön widergelaufen sein,
der sich mit dem Inneren dieses Heiligthums zu befassen
gewagt hätte. Wie gesagt, Wiederhold war ein sehr braver
und biederer Mann, nur in dem einen Punkte war er nicht
wie andere gleichfalls brave Männer; er handelte zu eigen—
willig und schenkte seiner Frau nicht das Vertrauen, welches
immer zwischen Ehegatten herrschen soll und muß, es müßte
denn ein Theil desselben nicht würdig sein.
Es war am Tage von Peter und Paul. Wiederhold zog sich
sonntäglich an und als er fertig war, sagte er zu seiner
Frau:

„Ich gehe heute in die Stadt und zahle den fälligen
letzten Termin für den Berggarten“, dann nahm er das
Geld aus seinem Pult, steckte es sorgfältig ein sammt dem
Kaufbrief und ging davon, nachdem er zuvor Frau und Kind
die Hand gereicht und gesagt hatte, sie sollten nicht mit dem
Mittagessen auf ihn warten.
Es war früh am Morgen, als Wiederhold sich auf den
Weg begab. Rüstig und wohlgemuth schritt er durch den
schattenreichen und duftigen Wald und genoß mit vollen
Zügen die Wonne des herrlichen Sommermorgens. Wie
            
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