Full text : Feierabend-Stunden

IIn einer romantischen Gegend, im Westen unseres Vater⸗
sandes liegt in einer fruchtbaren Thalebene der Marktflecken
Kleinmerfeld, zahlreich bewohnt von Bergleuten, welche auf
der ungefähr eine Siunde von demselben entfernten Grube
Arbeit und lohnenden Verdienst finden Die Besitzer der
Gruben, die gräfliche Familie Hohenthal, boten von jeher
alles auf, mit väterlicher Sorge und Umsicht das Wohl ihrer
Arbeiterbevölkerung zu fördern und nichts unversucht zu
lassen, was geeignet war, das Glück und die Zufriedenheit
der zahlreichen Knappschaft zu begründen. Spar-, Kranken—
und Sterbekassen waren zu diesem Zwecke eingerichtet, deren
Vermögen sorgsam verwaltet war und in erster Reihe die
Bestimmung hatten, gegen mäßige Zinsen redlichen und
fleißigen Knappen den Ankauf, von, Grundeigenthum zu
erleichtern und so durch festen Besitz sie an die Heimath zu
ketten und ihnen diese sowie den mühe- und gefahrvollen
Beruf lieb und werth zu machen. Dieses edle Bemühen
hatte auch den schönsten Erfolg. Mit Hochachtung und Liebe
hingen die Knaphen und ihre Angehörigen an dem Hohen—
hal'schen Hause und in der weiten Umgegend gab es keine
Ortschaft, welche an Wohlstand und Gesittung Kleinmerfeld
und seine Einwohner übertraf. Zu den letzteren zählte auch
die Familie des Obersteigers Wiederhold, dessen Großvater
und meisten Familien-Angehörigen schon in den Knappschafts—
listen verzeichnet waren.“ Der Obersteiger Wiederhold hatte
im nördlichen Ende des Dorfes sich ein bescheidenes Haus
gebaut als er noch Junggeselle war, denn er setzte seinen
Stolz darein, seine Anng, der er Treue gelobt und gehalten
hatte, in ein schuldenfreies ihm gehöriges Eigenthum einzu—
ühren und iht in demselben als waltende Hausfrau ein
            
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