Full text : Feierabend-Stunden

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daß dies sicher auf eine andere Karte als die der bevor—
stehenden Vermählung zu setzen war.
So war allmälig der Tag des Hochzeitsfestes heran—
gekommen und am Vorabend desselben erging sich Fritz Born,
nachdem er den Tag über viel zu thun und anzuordnen
gehabt hatte, Erholung suchend, im Freien. Auch er war
heute ernster gestimmt als je, und tief in Gedanken versunken
kam er, ohne selbst zu wissen wie, in die Nähe des Fried—
hofes. Als er um sich blickte, blieb er plötzlich stehen. „Ja“
— sprach er zu sich selbst — „beinahe hätte ich um die
Sorge für die Lebenden eine heilige Pflicht gegen die Todten
vergessen!“ und trat in den Kirchhof ein. Hier ruhte so
viele Jahre schon sein Vater und die einzige Schwester in
der Familiengruft und am Vorabend des wichtigsten Ereig—
nisses seines Lebens drängte es den durch vielfache Prüfungen
geläuterten jungen Mann, die Ruhestätte seiner heimgegangenen
Lieben zu besuchen. Die scheidende Sonne vergoldete die
Spitzen der rings um die Friedhofsmauer gepflanzten Pappeln,
in deren Zweigen die vom Abendwinde sanft bewegten Blätter
ihr Abendlied rauschten. Mehrere Minuten lang stand Born
an dem Grabe seiner Lieben und betrauerte es, daß sie nicht
Theil nehmen konnten an der bevorstehenden Feier und nicht
Zeugen waren seines Glückes. Eben wollte er sich entfernen,
als er bemerkte, daß er nicht allein war in dem Garten des
Todes. In dem neueren Theile des Friedhofs standen eben—
falls zwei Personen an einem Grabe, wie es schien, in
frommes Gebet versunken. Geräuschlos wollte er an den
Trauernden vorübergehen, da fiel ihm auf, daß es des alten
Hillmanns Hügel war, vor dem die Unbekannten, eine Dame
und ein Herr, standen. Er blickte auf; in demselben Augen—
blicke wandte sich auch der Begleiter der Dame um, über—
rascht schauten sich die beiden jungen Männer an, dann
aber eilten sie auf einander zu und unter dem Rufe:
Wilhelm! Fritz! lagen sie sich in den Armen. Es war
Wilhelm, der Findling, und seine Mutter, welche auf Borns
dringendes Bitten, nachdem er nach vielen Mühen ihren
Aufenthaltsort ausgekundschaftet hatte, aus weiter Ferne
            
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