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Die große Standuhr zeigte eben die elfte Stunde an und
Frau Born und Margarethe befanden sich noch immer allein
im Hanse: weder von Fritz und seiner Braut, noch von
Helenen war etwas zu hoͤren oder zu sehen, und Frau Born
war schon mehr als dreimal in der „guten Stube“ gewesen,
um nachzusehen, ob auch Alles in Ordnung sei, damit das
gnädige Fräulein keine Nase zu rümpfen habe. Eben that
sie dies wieder, als sich die Hausthüre öffnete und Fritz mit
einer tiefverschleierten Dame geraden Weges auf das Zimmer
losging. Die alte Frau, so resolut sie auch war, war ver—
legen, sich so unverhofft ihrer adeligen Schwiegertochter
gegenüber zu sehen; sie hatte aber nicht Zeit, lange zu über—
legen, denn diese wandte sich rasch zu ihr, ergriff ihre beiden
Hände und bedeckte sie mit heißen Küssen. Fritz trat an
des Mädchens Seite und bat: „Mutter, meine gute Mutter,
die selige Stunde ist gekommen, wo ich Dich offen bitten
darf, dieser meiner heißgeliebten Braut und mir, Deinem
Sohne, Deinen mütterlichen Segen zu unserer Verlobung zu
geben.“ Braut und Bräutigam ließen sich vor der über—
raschten Frau nieder. Einige Sekunden lang sah die Frau
auf das vor ihr auf den Knieen liegende Paar nieder; zwei
helle Thränen rollten über ihre Wangen, dann aber legte sie
segnend ihre Hände auf die Knieenden und gepreßt tönte es
über die zitternden schmalen Lippen:
„Seid glücklich, seid glücklich, meine Kinder, Gott segne
den Bund Eurer Herzen, die sich in Liebe und Treue gefun—
den haben!“ Mehr vermochte sie nicht hervorzubringen. Da
erhoben sich die Verlobten, die Braut schlug den Schleier
zurück und warf sich, schluchzend vor Freude und Rührung,
an der künftigen Schwiegermutter Brust. „Mutter, meine
geliebte, gute Mutter!“ rief sie, „erkennst Du mich denn
nicht mehr, ist Dir Deine Helene so schnell schon fremd
geworden?“ Jetzt erst sah die alte Frau auf, als sie die
liebe Stimme ihrer jungen Freundin erkannte und F
„Helene, bist Du es denn auch wirklich?“ frug sie und
führte das Mädchen an das Fenster, um sich zu überzeugen.