Full text : Feierabend-Stunden

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wollte nicht in Fluß kommen. Else zog sich daher auch bald
zurück und Vater und Tochter blieben allein.
Dorothea liebte es nicht, mit dem Vater über dienstliche
Verhältnisse zu sprechen, und auch dieser pflegte im Kreise
der Seinen dies nicht zu thun. Heute jedoch war es
anders.
„Vater, soll ich Dir noch Deine Pfeife bringen?“ frug
die Tochter; „es wäre ja das erste Mal, wo Du Deiner
Gewohnheit untreu würdest.“
„Recht so, Dora, mein liebes Kind“, entgegnete lächelnd
der Rath, „bringe sie mir, damit wir noch ein halbes Stünd—
chen verplaudern.“
Dorothea brachte die Pfeife und bald blies der Rath in
größter Gemüthlichkeit die blauen Wölkchen vor sich hin.
„Das war wieder ein schwerer Tag und ich wünsche, die
nächstfolgenden Tage wären auch vorüber“, hub er an, „denn
sie werden uns noch genug zu thun geben.“
„Vater“, frug das Mädchen, „was ist denn eigentlich
der Grund der plötzlichen Aufregung in der ganzen Stadt?“
„Kind, da richtest Du in wenigen Worten eine große
Frage an mich!“ entgegnete der Rath, eine dicke Rauchwolke
vor sich hinblasend. „Der Hauptgrund, das ist der ewige
Geist der Unzufriedenheit, der mit den französischen Emigranten
hier einzog, seitdem der damalige Landgraf ihnen nach der
Pariser Bluthochzeit ein Asyl gewährte. Es sind das hals—
starrige Köpfe, die ihren wälschen Ursprung nie verläugnen
können.“
„Sind die Tausende von Unzufriedenen in der Residenz
und den übrigen Theilen des Fürstenthums denn auch Emi—
granten und Franzosenköpfe?“ warf Dorothea ein, „denn
wie es hier ist, so ist es ja überall im Lande.“
„Freilich, freilich“, bestätigte der Rath, „daran sind die
Demagogen schuld, „welche gleich den Maulwürfen das
Fundament eines geordneten Staatslebens unterwühlen.
Das Volk, der souveraine Pöbel, will regieren und den an—
gestammten Landesherrn von Gottes Gnaden zur Puppe
herabwürdigen und die ihm aufgedrungene Verfassung setzt
            
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