Full text : Feierabend-Stunden

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wurf sagte sie leise: „Doch was verlange ich? Warum sollst
Du Dein Geschick, wenn auch nur für kurze Zeit, an das
einer alten hinfälligen Frau hängen? Verzeihe mir, Helene,
meine Liebe zu Dir ließ mich Ungerechtes fordern — —“
Nein, meine gute Mutter“, erwiderte Helene, „Liebe
um Kiebe“, und laut schluchzend warf sich das Mädchen an
die Brust der Frau, die es in seligem Entzücken in ihre
Arme schloß.
Mit Thränen in den Augen sah Hillmann dieser Scene
zu; dann sprach er: „So ist es recht! Aber ehe Helene sich
dollständig hier einbürgert, muß sie doch noch einige Tage
mit mir nach Haus kommen, meine Frau ist unwohl und
äßt Fräulein Helene recht dringend bitten. Ist ihre Bitte
gewährt, Mutter Born?“ frug er, der alten Frau die Hand
reichend.
„Ja, ja, warum denn nicht; weiß ich doch jetzt, daß
Helene daun mich nicht mehr verlaͤssen wird.“ Glüuͤcklich und
— blieben die drei
guten Menschen beieinander, bis die untergehende Sonne sie
an den Aufbruch mahnte.
Aim anderen Morgen verließ Helene das Born'sche Haus,
um bei Frau Hillmann einen oder mehrere Tage zu ver—
bringen, mußte aber der alten Frau in die Hand versprechen,
wenigstens ein Mal des Tages bei ihr zu erscheinen.

Der Abend vor Pfingsten war herangekommen; Frau
Born legte eben die Bibel zur Seite, in welcher sie sich tag⸗
täglich, ganz besonders aber vor jedem heiligen Feiertage zu
erbauen pflegte, da hörte sie eilige Männertritte im Vor—
zimmer und ehe sie es ahnte, öffnete sich die Thüre und
nit dem Rufe: „Mutter, meine Mutter!“ lag Fritz an ihrer
Brust.
„Mein Sohn, mein Sohn!“ schluchzte die freudig über—
raschte und glückliche Frau. „Gelobt sei Gott in der Höhe!
O, wie danke ich Dir, daß Du mir diese Pfingstfreude
bereitet hast!“ Lange hielten sich Mutter und Sohn umschlungen.
            
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