Full text : Feierabend-Stunden

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auch im irdischen Menschenleben. Darum, mein Herz,
verzage nicht!“ Muthvoll strich Helene die Locken von der
Stirne und hell und klar strahlte bald ihr Auge wieder wie
vorher; sie hatte sich wieder selbst gefunden.
Die schlummernde Matrone erwachte in diesem Augen—
blicke und lächelnd reichte sie Helenen die Hand.
„Vergebe mir, mein Kind, daß ich Dich so lange allein
ließ; das Bischen Schlummer that mir wirklich wohl. Ach!
es ist ja hente auch so schön, so schön, daß man in der
That nicht betrübt sein darf. Komm, laß uns jetzt ein
wenig in dem Garten ergehen; ich fühle mich heute wohler
als je.“ Lange sollte der Spaziergang jedoch nicht dauern.
Von ferne her hörte man das fröhliche Pfeifen eines Menschen,
der mit deu Lerchen auf der Flur und in der Höhe um die
Wette zu singen schien.
„Das ist der Jakob“, rief Frau Born, „er kann den
Pfiffer-Jakob noch immer nicht ablegen, der wackere Mann,
und was in ihm tobt und schafft, das jubelt er in seinen
Liedern aus; er ist ein glücklicher Mensch.“
„Und ein tüchtiger Ehrenmann dabei“, fügte Helene
hinzu. Sie hatten nicht Zeit, sich noch länger von ihm zu
uͤnterhalten, denn bald stand Hillmann leibhaftig vor ihnen.
Sein Benehmen schien aber nicht mit der Heiterkeit seiner
eben gepfiffenen Weisen zu harmoniren, denn er war verlegen,
was bei ihm nur in ganz seltenen Fällen vorkam.
„Eben haben wir“, sagte Frau Born, „von Dir gesprochen,
Jakob; wir hörten von ferne schon Dich pfeifen“, fügte sie
hinzu, dem Freunde ihres Sohnes die Hand reichend.
So, so“, entgegnete Jakob, „habe ich denn, wirklich
wieder gepfiffen? Bei Gott, dann war es in Gedanken
geschehen.“
In Gedanken, Herr Hillmann, ach! sagen Sie uns doch,
was Sie so sehr beschäftigt hat, wenn wir es wissen dürfen“,
bat Helene.
„Wissen dürfen? Das versteht sich“, entgegnete Jakob;
„ich bringe ja frohe Kunde, sonst wäre ich heute nicht hier.
Ich habe diesen Morgen nämlich für gewiß erfahren, daß
            
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