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vollendeten Körper umschloß. Das dunkle Haar des Mädchens
fiel in üppigen Locken auf Schultern und Busen, glänzenden
Schlangen gleich, die nach der Rose sich wandten und die
Blume zu beneiden schienen, welche an dem Herzen dieser
holden Jungfrau hinwelken durfte. Helene bot in diesem
Augenblick ein ideales Bild der Schönheit und Jugend, aber
trotz all' diesen Vorzügen schien dennoch die Sorge auch
schon in ihrem Herzen Eingang gefunden zu haben.
Geräuschlos legte Helene ihre Arbeit auf die Marmor—
platte und das Haupt auf die linke Hand gestützt, schaute
——
Blick lange auf der schlummernden Matrone, ein tiefer
Seufzer entrang sich ihrer Brust, während zwei helle Thränen
in den großen sprechenden Augen schimmerten, über welche
sich schützend die Bogen dichter Wimpern zogen, als wollten
sie den Schmerz verbergen, der in diesem Augenblicke sich
in ihnen abspiegelte. Was wohl in dem Innern der
Jungfrau, die anscheinend mit allen Gütern begabt war,
welche den kurzen Traum des Daseins zu verschönen geeignet
sind, in diesem Augenblicke vorgegangen sein mag? Wer
kann es wissen, hat doch das kleine Menschenherz Tiefen und
Abgründe, die nicht zu ermessen und unergründlich sind. Horch,
da oben hoch über ihrem Haupte da schwang jetzt eine Lerche
sich fröhlich singend in den blauen Azur, dem Lichte ent—
gegenjubelnd, dem Strahl der ewigen Gottesliebe, die aufs
Neue das immer wiederkehrende und doch ewig frische und
wunderschöne Frühlingskleid über die so lange schlummernde
und trauernde Erde ausgebreitet hatte.
„Ja, du hast Recht, du munterer Sänger da oben“,
sprach Helene leise vor sich hin, „du zeigst den undankbaren
Menschen den Weg, den sie wandeln sollen und müssen;
wenn das Herz voll ist von Lust und Weh, Voll die Seele
Gottes Liebe preisen und ihm vertrauen immerdar ... Ja,
wie der Vogel jetzt da oben, so werde auch ich vielleicht
wieder der Sonne des Glückes und der Liebe entgegen
schweben, denn es muß ja der dunklen Nacht die Morgen—
röthe folgen und der Tag, wie in der ewigen Natur, so