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„Möglich, mein gutes Kind“, nickte gewöhnlich auf solche
Reden die alte Frau, „doch ich glaube es nicht. Man sagt
zwar, sie sei tugendhaft und von Herzensgüte, dabei grund⸗
gescheit, das möcht' ich aber wissen. War es denn auch
zut und gescheit, daß sie mit ihren barokken Ideen meinen
Fritz angesteckt und in den Krieg gejagt hat?“ frug die gute
Frau und redete sich dabei in keinen geringen Eifer.
Helene wußte nicht, was sie hierauf antworten sollte
und sprach nur die Hoffnung aus, daß Frau Born Gelegen—
heit gegeben werden möge, einst anderer Meinung zu werden
in Bezug auf das gnädige Freifräulein von Hammerstein.
Wieder lachte der Frühling, und es waren wenige Tage
vor dem Pfingstfest des Jahres 17**, als Frau Born und
Helene in dem beim Hause befindlichen Garten saßen, wo
sie eben den Kaffee eingenommen hatten. Die alte Frau
neigte schlummernd ihr Haupt und das junge Mädchen war
mit einer Stickerei beschaͤftigt; zuweilen aber warf es doch
einen theilnahmsvollen Blick auf die Schlummernde, denn
es war nicht zu leugnen, daß in Folge der quälenden
Ungewißheit, in welcher jetzt die Frau ihre alten Tage hin—
lebte, sie sich bedeutend verändert hatte. Ihr feines bleiches,
von tiefen Furchen durchzogenes Antlitz unter der blüthen—
weißen Piquéhaube zeigte fast keine Lebensspur mehr, die
dünnen Hände lagen wie zum Gebet in ihrem Schooße
gefaltet und zuweilen nur zuckte es um ihre dünnen Lippen,
das einzige Zeichen, daß noch des Lebens Odem den Körper
durchwehte, der nicht mehr weit von der Pforte zu sein
schien, hinter welcher der Lebensmüde sowohl, als auch der
Lebensfrohe Ruhe und Frieden finden, wenn sie ihre dunkle
Schwelle überschritten haben. Das Gegentheil von diesem
Bild menschlicher und irdischer Vergänglichkeit war Helene.
Einer Juno ähnlich, saß sie der guten Alten gegenüber, und
ihre edle weiße Stirne und die von leichtem Rosenroth hold
angehauchten Wangen stachen wunderbar schön ab gegen den
dunkelblauen Stoff ihres Gewandes, das ihren plastisch