Full text : Feierabend-Stunden

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Dies muß wohl der Fall gewesen sein, denn wenige Monate
nachher handirte und schaffte ein bildschönes Mädchen, in
tiefe Trauer gekleidet, in den Räumen des Born'schen Hauses,
als ob es hier auf die Welt gekommen sei, und wie ging
dem jungen Dinge jede Arbeit von der Hand! Mit Bewun—
derung schauten Frau Born und Margarethe ihr zu; nichts
war ihr fremd und in allen Haushaltungszweigen war sie
bewandert. Aber das war noch das Geringste, was an
Helene zu bewundern war. Wie verstand sie es so liebreich
und so fein, der alten Dame die Falten von der Stirne zu
streichen und ihr Hoffnung und Muth zuzusprechen, wenn
sie in schmerzlichen Klagen sich erging. Dieses Amt hatte
Helene so eben wieder geübt und Frau Born reichte ihr
gerührt die Hand.
„Du herzensgutes, engelreines Kind, ja Du hast Recht;
was fruchten des Menschen Thränen und Sorgen, Gottes
Vorsehung läßt sich durch sie nicht bestimmen. Allein, was
Gott thut, das ist wohlgethan. .. Ach! kann ich Ihn doch
nur aus innigstem Herzen preisen, daß er Dich, Du meine
Pflegerin und Trösterin, zu mir geführt hat; und, nicht
wahr, Du verläßt mich auch nicht mehr?“ fügte die gute
Frau gewöhnlich am Schlusse solcher Scenen bei, die sich
oͤfters zu wiederholen pflegten.
„So Gott will, nicht, liebe Mutter“, tröstete alsdann
Helene; „doch machen wir uns dieserhalb keinen Kummer,
Fritz wird ja wiederkehren und dann — — —“ Helene
schwieg.
„Und dann?“ fragte Frau Born — „warum sprichst
Du Dich nicht aus, und dann — — —?“
„Dann werde ich ja hier wohl entbehrlich werden, liebe
Mutter, wollte ich sagen.“
„Du, entbehrlich werden“, eiferte die alte Frau, „warum
nicht gar! Den möchte ich sehen, der mir das begreiflich
machen wollte .. Ach! rede doch von so etwas nicht.“
„Warum denn nicht, liebe Mutter? Doch wäre auf diese
Gefahr hin nur der Verschollene zurück, wie gerne wollte ich
mich dann in Alles fügen, was die Zukunft auch bringen mag.“
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