Full text : Feierabend-Stunden

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Fritz nahm das Päckchen mit zitternder Hand. Es
enthielt die prachtvolle Stickerei zu einer Jagdtasche und
andere Handarbeiten, welche die Geliebte unter der Hand
für ihn angefertigt hatte und das Tagebuch, das sie seit der
Trennung am Kreuz am Halbergerweg geführt hatte. Außerdem
lag dem Packet auch noch ein Schreiben bei, nach dessen
Durchlesung Fritz sehr ernst gestimmt wurde. Am Schluß
schrieb die Geliebte:
„Wie gesagt, zwei Tage nach unserer Trennung erschien
der Marquis (von Rougemont) und hielt in aller Form bei
meinem Vater um meine Hand an. Mein Vater war sicht⸗
lich darüber erfreut, doch erklärte er dem Marquis, daß er
nur unter der Bedingung seine Genehmigung ertheile, daß
auch ich freiwillig und ohne Zwang damit einverstanden sei.“
„O, der Zustimmung von Fräulein Christine bin ich
gewiß, triumphirte der Marquis, denn er hielt meine Freund⸗
uͤchkeit und Zuvorkommenheit für etwas ganz Anderes als
die gesellschastlichen Formen, die ich gegen ihn, einen ein—
gebildeten und eitlen, aber sonst gutmüthigen Menschen, zu
wahren stets bestrebt war. Er ließ sich bei mir melden.
Caro lag zu meinen Füßen, als der Marquis eintrat. Er
hatte seinen ceremoniellen Knix noch nicht beendet, da war
der Hund auch schon dicht vor ihm und er würde ihn keinen
Schritt weiter gelassen haben, wenn ich dem Thier nicht
zugerufen hätte. Caro dachte wohl noch an die Affaire mit
der Reitpeitsche.“
Im weiteren Verlauf des Schreibens theilte Christine
dem Geliebten mit, wie sie dem Marquis ohne Umschweife
erklärt, daß ihr Herz bereits gewählt habe und sie von ihm,
dem Marquis, erwarte, daß er als Mann und Cavalier ihre
Offenheit zu würdigen wissen werde. Der Marquis sei
sichtlich betrüht und niedergeschlagen gewesen, habe aber Wort
gehalten und nie mehr einen Versuch gemacht, sich ihr zu
nähern. Die kurz darauf erfolgte Entlassung ihres Vaters
habe ihn seinen Schmerz um so leichter überwinden machen.
Auch habe er wohl alle derartige Absichten aufgegeben, denn
wie so vielen seines Gleichen, sei auch ihm sein sämmtliches
            
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