Full text : Feierabend-Stunden

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der Schloßkirche, von viel fürchterlichen noch als diese —
er träumte von seiner geliebten Christine, wie sie hülfeflehend
die Arme nach ihm ausstreckte, indem ein Räuber sie ver—
folgte, und wie er, Fritz Born, von Tausenden von Schlingen
ind Ketten gefesselt gewesen und sich nicht von der Stelle
fortbewegen konnte. So war der Schlaf für ihn keine
Erquickung; und müde erhob sich der junge Mann wieder
von seinem Lager, als des Tages Helle in das Zimmer drang.
Bald war Fritz reisefertig, und als er zu seiner Mutter
in das Frühstückszimmer trat, betrachtete die alte Frau ihren
einzigen Sohn und Liebling nicht ohne Staunen, weil er in
ausgewählter Toilette so früh erschien.
„Was hast Du vor, Fritz“, frug die Alte, „und wo
gehst Du hin in diesem Aufzug?“
„Mutter“, antwortete Fritz, „ich gehe den schwersten und
verhäugnißvollsten Gang meines Lebeus; Gott gebe, daß
sch nicht uͤnverrichteter Sache wieder heimkehren muß . .
„Was ist es, das Dich so ernst stimmen kann, Dich, den
ewig heiteren und muthwilligen Jungen, dem sonst nichts
zu sauer oder süß, zu hoch oder niedrig war, Dich, der
bisher seine ganze Welt in sich selbst gefunden hat? Darf
ich, Deine Mutter, nicht wissen, was das Herz ihres Kindes
hebrückt 20 frug die gute Frau mit theilnahmsvollem Vorwurf.
Ja, meine Mutter, Du sollst es, Du mußt es ja wissen.
Höre mich an, aber zürne mir nicht. Setze Dich, Mutter,
ch werde mich kurz fassen.“ Mutier und Sohn setzten sich
einander gegenüber.
Im din im Begriff, Mutter“, begann der junge Mann
zögernd, „einen Deiner Lieblingswünsche zu erfüllen ...“
Einen meiner Lieblingswünsche?“ fiel die prächtige
alte Frau ein, „und das fällt Dir, wie mir scheint, so
schwer? O Fritz, lieber will ich auf alle meine Wünsche
verzichten, die ich in Bezug auf Dich hege, wenn es Dir
so schwer fällt, sie zu erfüllen ...*
„Hore mich ruhig an“, bat Fritz, „ich habe nicht mehr
biel Zeit zum Reden übrig. Mutter“, fuhr er dann fort,
Dein Lieblingswunsch war es immer, ich soll Dir eine
            
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